Ludwigshafen: Erstmals weniger Besucher beim Festival des deutschen Films, Rückgang um 10.000 auf 102.000 – mögliche Gründe: Verlegung in den September und durchwachsenes Wetter

Das erfolgsverwöhnte Festival des deutschen Films muss erstmals in seiner Geschichte einen Besucherrückgang hinnehmen. Festivaldirektor Kötz sieht den Grund in einer Verschiebung und dem Wetter. Für die Zukunft ist er aber zuversichtlich.

Nach der Verlegung vom Früh- in den Spätsommer sind zum Festival des deutschen Films in Ludwigshafen in diesem Jahr rund 10 000 Zuschauer weniger gekommen. Bei der 13. Auflage der Filmschau seien etwa 102 000 Besucher auf der Parkinsel im Rhein gezählt worden, sagte Festivaldirektor Michael Kötz am Sonntag. Er führte den ersten Besucherrückgang in der Festivalgeschichte auf einen neuen Veranstaltungszeitraum und durchwachsenes Wetter zurück. 2016 hatte das Festival – nach Kötz‘ Angaben die zweitgrößte Veranstaltung dieser Art in Deutschland nach der Berlinale – 112 000 Zuschauer gezählt.

Am Samstag war der mit 50 000 Euro dotierte Filmkunstpreis des Festivals an zwei Beiträge vergeben worden: An «Casting» von Nicolas Wackerbarth und «Western» von Valeska Grisebach. «Beide eint eine großartige Ensembleleistung, sie sind inszeniert von zwei außergewöhnlichen Regisseuren und besetzt mit herausragenden Schauspielern, die unterschiedlicher nicht sein könnten», erklärte die Jury.

Wackerbarth entführe die Zuschauer in den Mikrokosmos der Filmwelt und entlarve in tragikomischer Weise die Strukturen menschlicher Interaktion. Griesebach transportiere mit «Western» Motive und Figuren des ältesten Filmgenres in die moderne Zeit und setze meisterhaft und bildstark archaische menschliche Konstellationen in Szene, befand die Jury.

Das sonst im Juni/Juli organisierte Festival war in diesem Jahr erstmals im August/September über die Bühne gegangen. Ziel war es, eine potenzielle Bedrohung durch das im Frühjahr häufiger auftretende Rheinhochwasser zu vermeiden. Einige Menschen seien an den neuen Termin noch nicht gewöhnt, andere seien zu dieser Zeit noch in Urlaub gewesen, sagte Kötz. Die Verschiebung sei aber alternativlos, wenn man auf der Insel bleiben wolle. Hochwasser könne den Boden aufweichen und die Standsicherheit der großen Bäume auf dem Gelände gefähren. Aus Sicherheitsgründen habe man deshalb gesagt: «Sorry, es geht nicht mehr.» (lrs)

Kötz zeigte sich zuversichtlich, dass die Besucherzahl künftig wieder steigt. «Alles, was man umstellt, hat Anlaufschwierigkeiten», sagte er. Das Festival bekomme immer mehr Bedeutung als Branchentreff, zudem kämen neue Angebote wie ein Open-Air-Kino gut an. Er kündigte an, 2018 wolle man das Programm besser strukturieren und sich besser auf das Wetter einstellen, etwa mit einem Zelt zum Aufwärmen.