Ludwigshafen: Internetvisionär Sascha Lobo sprach im Bloch-Zentrum

Internetvisionär und Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo (39) hat den Vorrang der Gesellschaft vor der Technologie gefordert. In seinem Vortrag im Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen übte Lobo am Freitagabend harsche Kritik an der Praxis, Menschen mittels bewaffneter Drohnen zu töten. Ein großer Teil der digitalen Daten, die für den Drohneneinsatz nötig seien, würde in Deutschland gewonnen, sagte der Überwachungskritiker.

Vor etwa 80 Zuhörern forderte Lobo, Techniken der Vernetzung sollten sich nicht gegen die Freiheit des Menschen richten. Auch vermeintlich nützliche Geräte, wie eine vernetzte Zahnbürste, die mangelndes Putzen meldet und dann vor dem Verlust des Versicherungsschutzes warnt, berge einen «Unterwerfungsmechanismus». Deutschland sei zwar kein technikfeindliches Land, so Lobo. Es fehle aber eine Kultur der «Toleranz für Fehler». Die Forderung nach einer Zerschlagung von Googlesei jedoch der falsche Weg zu einer menschenfreundlichen Digitalisierung, sagte der Internet-Erklärer.

Lobo widmete seine etwa einstündige, am Unesco-Welttag der Philosophie gehaltene «Zukunftsrede» dem kürzlich verstorbenen «FAZ»-Herausgeber Frank Schirrmacher. Der Vortrag zur Zukunft fand bereits zum zweiten Mal statt, eingeladen hatte die Stadt Ludwigshafen. (lrs)