Ludwigshafen: SPD dominiert Landtagswahl – Anke Simon und Heike Scharfenberger sichern sich Direktmandate – Beobachtungen bei der Ergebnispräsentation

Wahlpartys im herkömmlichen Sinne waren gestern abend tabu – Corona machte allen Wahlsiegern und jenen, die sich dafür hielten, einen Strich durch die Rechnung. Fast alle Kommunen präsentierten ihre Wahlergebnisse deshalb virtuell. Ludwigshafen machte da eine klitzekleine Ausnahme: die Wahl-Leitung ermöglichte es den Kandidaten und einigen Beobachtern, bei der Präsentation der Ergebnisse aus den Stimmbezirken live dabei zu sein.

„Das Haus“ kennen wir als Kulturzentrum der Stadt. Gestern abend mutierte die Event-Location in der Bahnhofstraße zur Ludwigshafener Politik-Zentrale. Die Zahl der Gäste war überschaubar, mehr als 30 waren es nicht – alle corona-konform mit Maske und auf Abstand. Jubelarien waren tabu.

Dabei hätte nur eine Partei Grund zum Jubeln gehabt. Rot war im Haus die dominierende Farbe des Abends. Egal welcher Chart gerade auf der Leinwand aufploppte: die Säule der Sozialdemokraten war fast immer die höchste. Bei den Zweitstimmen lag die SPD in beiden Ludwigshafener Wahlkreisen vorne und untermauerte ihren Status als stärkste Kraft in Ludwigshafen. Bei den Erststimmen dominierten die beiden SPD-Kandidatinnen die Konkurrenz. Anke Simon holte sich wie schon 2011 und 2016 den Wahlkreis 36 mit 378 Prozent der Stimmen, Heike Scharfenberger sicherte sich Wahlkreis 37 mit 36,9 Prozent. Beide waren damit etwas schwächer als 2016.

Hinter den Schutzmasken waren die Mienen der anwesenden Christdemokraten schwer auszumachen. Aber die Mundwinkel dürften eher nach unten gezeigt haben. Verluste nicht nur landesweit, sondern auch auf Stadt-Ebene. Am Ende Platz 2 hinter den Sozialdemokraten, da die AfD deutliche Stimmenverluste hinnehmen musste und die Grünen nicht genug zulegten, um die CDU zu gefährden. Der CDU-Parteivorsitzende Torbjörn Kartes führte die Niederlage im Gespräch mit RNF unter anderem auf die Maskenaffäre um den Mannheimer Ex-Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel zurück. So hatte es auch CDU-Nobody Tobias Mahr schwer, im virtuellen Wahlkampf Punkte bei den Ludwigshafenern zu sammeln. Der 31-Jährige Versicherungskaufmann trat im Wahlkreis 36 erstmals als Kandidat für den Landtag an. Ihm fehlte nach eigenen Angaben der direkte Kontakt zu den Wählern.

Der FDP-Mann Jörg Matzat hatte zwar auch keine Chance, das Landtagsmandat direkt zu erringen. Er zeigte sich aber zufrieden, dass seine Partei auch in den kommenden fünf Jahren an der sich abzeichnenden Ampel-Koalition in Mainz beteiligt ist. Von ihr erwartet sich Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck weitere Schützenhilfe bei den Großprojekten der Stadt. Sie nannte gegenüber RNF natürlich die beiden Hochstraßen, deren Finanzrahmen jetzt mit Land und Bund abgesteckt werden müsse. Doch auch die noch ungeklärte Rathaus-Frage treibt das Stadtoberhaput um – auch hier erwartet Steinruck Rückendeckung aus Mainz.

Mehr als drei Stunden dauerte es, bis der letzte Ludwigshafener Stimmbezirk ausgezählt war und alle vorläufigen Endergebnisse vorlagen. Gegen 22 Uhr wandelte sich das Haus dann wieder: von der Politik-Zentrale zurück zum Kulturzentrum. (mho)