Ludwigshafen: Ursache der Explosion bei BASF auch nach einer Woche noch unklar

Auch eine Woche nach der verheerenden Explosion bei der BASF in Ludwigshafen ist die Unglücksursache noch nicht genau bekannt. Wegen der gefährlichen Situation am Explosionsort im Landeshafen Nord konnte die Polizei erst am vergangenen Donnerstag mit der Untersuchung der Unglücksstelle beginnen. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Rheinpfalz ist eine große Zahl von Beamten mit den Ermittlungen beschäftigt. «Diese sind rund um die Uhr im Einsatz.» Auch Gutachter des Landeskriminalamtes und externe Sachverständige forschen nach der Ursache des Unglücks, bei dem drei Menschen starben. 30 Menschen wurden verletzt, acht davon schwer.

Die Feuerwehr will an diesem Montag entscheiden, in welchem Umfang die mobile Messung der Schadstoffbelastung weitergeht. Bisher registrierte sie keine erhöhte Konzentration.

 

Explosion bei BASF: Was wir wissen – was wir nicht wissen

 

Am Montag vor einer Woche kam es beim Chemieunternehmen BASF in Ludwigshafen zu einer Explosion und Bränden – die Folge: drei Tote und viele Verletzte. Ein Überblick über das, was wir über die Hintergründe wissen und was nicht:

WAS WIR WISSEN:

WAS PASSIERT IST: Die Explosion ereignete sich in einem sogenannten Rohrgraben im Landeshafen. Dort liegen zahlreiche Leitungen, über die Flüssiggase und andere brennbare Flüssigkeiten von und zu Schiffen transportiert werden. Zehn der 38 Leitungen sind laut BASF Ver- und Entsorgungsleitungen für nicht-chemische Stoffe wie Brunnen- und Abwasser sowie Dampf. Die übrigen enthalten 20 unterschiedliche Stoffe – dazu gehören Ethylen, Propylen und Nebenprodukte der Steamcracker, in denen mit Dampf Rohbenzin (Naphta) aufgespalten wird. Beim Brand entstand eine riesige Rauchwolke – der BASF zufolge verbrannten auch Ethylen und Propylen. Ethylen wird für Dämmstoffe und Lösemittel verwendet, Propylen für Autolacke und Klebstoffe.

DIE OPFER: Zwei Männer der BASF-Werksfeuerwehr und der Matrose eines im Hafen ankernden Tankschiffs wurden bei der Explosion getötet. Die am Mittwoch im Hafenbecken entdeckte Leiche des Matrosen musste bei einer Obduktion identifiziert werden. Laut BASF wurden acht Menschen schwer verletzt, sechs kamen auf die Intensivstation. Außerdem gab es 22 Leichtverletze, zunächst war von 17 die Rede. Fünf kamen erst später hinzu – sie waren nach Angaben einer BASF-Sprecherin selbst zum Arzt gegangen und wurden erst später mitgezählt.

FOLGEN FÜR MENSCHEN: Nach Darstellung der Ludwigshafener Feuerwehr bestand für die Menschen in angrenzenden Stadtteilen keine Gefahr. Erhöhte Schadstoffwerte gab es am Unglücksort sowie in einem angrenzenden Gewerbegebiet. Die Messungen hätten aber ergeben, dass der höchste Wert des giftigen und krebserregenden Benzols außerhalb der Unglücksstelle immer unter dem Wert gelegen habe, der für Arbeitsplätze akzeptiert werde, sagte ein Mediziner. Dass manche Menschen über Reizungen von Augen und Atemwegen klagten, aber nichts gemessen wurde, erklärte er damit, dass Schadstoffe «schwallartig» gekommen und vom Wind weitergetragen worden seien. Greenpeace will Ergebnisse eigener Proben noch vorlegen.

WAS MIT DER WOLKE PASSIERTE: Weil der Wind nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes am Unglückstag von Süd auf West drehte, wurde der Qualm Richtung Nordosten geweht. Davon seien der nördliche Zipfel Baden-Württembergs und der südliche Zipfel Hessens betroffen gewesen, sagt der Leiter der Stuttgarter DWD-Niederlassung, Uwe Schickedanz. Dort habe es am Nachmittag kräftige Schauer gegeben, bei denen die Schadstoffe weitgehend ausgewaschen worden seien. Vieles davon sei «im Gulli» gelandet, aber auch über Feldern regnete es.

BEZIEHUNG ZWISCHEN STADT UND UNTERNEHMEN: Eine Serie von Vorfällen bei der BASF in diesem Jahr hat aus Sicht der Stadt Folgen. Die BASF habe sich im Laufe der Jahre bei Bürgern und Stadtvorstand einen hohen Vertrauensvorschuss erarbeitet, sagte Feuerwehrdezernent Dieter Feid (SPD) am Freitag. «Dieser ist aber durch die vielen Ereignisse, die dieses Jahr schon vorgefallen sind, zumindest in Teilen durchaus erschüttert.»

WAS WIR NICHT WISSEN:

DIE URSACHE: Wie es zur Explosion kam, ist noch nicht genau geklärt. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat «Teilerkenntnisse», die auf der Aussage eines Zeugen beruhen. Demnach sollten Mitarbeiter einer Fremdfirma im Graben ein Teil einer Leitung austauschen. Sie hätten angenommen, dass die Leitung leer ist – dazu habe eine schriftliche Bestätigung der BASF vorgelegen, zudem hätten sie sich mittels einer Probebohrung selbst davon überzeugt, heißt es mit Bezug auf den Zeugen, einen Mitarbeiter der Firma. Als das Rohr durchtrennt wurde, soll es zu einer Explosion gekommen sein. Nun müsse weiter geforscht werden, wie dies trotz des angeblich leeren Rohrs habe passieren können, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber.

MATERIELLER SCHADEN: Weil die Staatsanwaltschaft den Explosionsort beschlagnahmt hat, kann die BASF derzeit nicht sagen, wie groß der Schaden vor Ort ist und wie lange es dauern wird, ihn zu beheben. Die beiden Steamcracker, die wegen Rohstoffmangels heruntergefahren worden waren, werden wieder in Betrieb genommen – ebenso 22 weitere Anlagen, die ganz oder teilweise gestoppt wurden. Das benötigte Naphta wird auf anderem Weg angeliefert. Was der Produktionsausfall kostet, ist bisher nicht bekannt.

DAUER DER ERMITTLUNGEN: Das könne er nicht genau sagen, meint der Leitende Oberstaatsanwalt Ströber. Am Donnerstag wurde vor Ort der Umfang des Bereichs definiert, der für die Ermittlungen beschlagnahmt wird. «Ich gehe davon aus, dass man nach und nach dieses Gebiet freigeben kann», sagte Ströber. Das hänge auch davon ab, wie lange die Sachverständigen brauchten, um Befunde zu erheben. (lrs)