Ludwigshafen: „Wissensfabrik“ fordert mehr Unternehmergeist in Deutschland

Die Zahl der Firmengründungen war 2013 erneut rückläufig. Um das zu ändern, fordert Bosch-Aufsichtsratschef Fehrenbach mehr Unternehmertum in der Gesellschaft. Kindern müsse bereits in der Schule entsprechendes Wissen vermittelt werden.

Ludwigshafen/Stuttgart (dpa/lsw) – Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach fordert mehr Unternehmergeist in Deutschland. «Unternehmertum ist wichtig für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und muss in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen», sagte Fehrenbach im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das müsse schon im Kindesalter vermittelt werden, so Fehrenbach. «Wir können nicht erwarten, dass Studierende am Ende des Studiums von sich aus den Drang zum Unternehmertum verspüren.»

Franz Fehrenbach (Bild: Wissensfabrik)

Der ehemalige Bosch-Chef ist Vorsitzender des Lenkungskreis der Wissensfabrik. Der Verein, zu dessen 120 Mitgliedern neben Bosch Konzerne wie BASF, Daimler oder Linde gehören, organisiert unter anderem Bildungspartnerschaften mit Schulen, aber auch Mentorenprogramme mit Unternehmen für Existenzgründer. Solche Partnerschaften, glaubt Fehrenbach, sind ein Schlüssel zum Erfolg – für junge Startups und etablierte Firmen.

Die Zahl der Firmengründungen ist nach Daten des Statistischen Bundesamts im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. Nach Einschätzung von Fehrenbach ist das größte Hindernis nach wie vor der Zugang zu Kapital. «Da sehe ich aber Deutschland mit der Koalitionsvereinbarung auf einem guten Weg», so der frühere Bosch-Chef. Er sieht aber auch etablierte Firmen in der Pflicht.

«Für Gründer ist wichtig, dass sie relativ schnell Partnerschaften eingehen, weil sie nicht alles allein stemmen können», sagt Fehrenbach. Man müsse einen Weg finden, wie man das Beste von beiden Seiten verknüpfe, sagte Fehrenbach. Er zweifle nicht daran, dass Startups schneller auf «pfiffige App-Ideen» kommen als Großunternehmen. Gleichzeitig begingen etablierte, erfolgreiche Firmen aber immer wieder den Fehler, dass sie neue Entwicklungen zunächst nicht wahrhaben wollten.

Die heutigen Industrien wie Maschinenbau und Automobiltechnologie würden immer stärker durchdrungen von IT und Digitalisierung, so der ehemalige Bosch-Chef. An der Stelle könnten etablierte Unternehmen vom Ideenreichtum der Startups profitieren.

In manchen Branchen seien erfolgreiche Gründungen sonst überhaupt nicht mehr möglich. «In der IT können Kooperationen für den Erfolg ausreichen», sagte Fehrenbach. In der Automobilbranche sei es dagegen ungleich schwerer, als junges Unternehmen Fuß zu fassen. «Hohe Stückzahlen und Serienzulieferung mit hoher Zuverlässigkeit schafft man heute nicht mehr mit den Strukturen eines Startups.» In solchen Fällen könne es sinnvoll sein, die Idee in Unternehmen einzubringen, das diese Prozesse beherrschten.