Mannheim: Anklage fordert lange Haft für Investmentbanker

Für einen früheren Investmentbanker aus Mannheim, der 13 Millionen Euro veruntreut haben soll, fordert die
Staatsanwaltschaft eine lange Haftstrafe. Sie plädierte am Mittwoch vor dem Landgericht Mannheim für sieben Jahre Haft. Dem 37 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, mehrere Privatkunden zwischen den Jahren 2007 und 2009 nicht über die hohen Risiken von Spekulationsgeschäften informiert zu haben. Er soll zudem ohne Wissen der Kunden Investments mit deren Geld getätigt haben.
Bei den getäuschten Kunden hatte es sich teilweise um Bekannte des Verdächtigen gehandelt. Sogar ein früherer Jugendfreund und die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten sollen zum Kreis der betroffenen Kunden gehört haben. Nach Ansicht der Anklage hat der damalige Investmentbanker die „dilettantischen“ Kontrollmechanismen der Bank geschickt umgangen, um etwa durch Umbuchungen entstandene Verluste zu verschleiern. Als Motiv für das Handeln des
Investmentbankers sieht die Staatsanwaltschaft eine Art Profilierungssucht.
Da der Angeklagte in egozentrischer Weise nach Anerkennung gesucht habe, sei er skrupellos und rücksichtslos vorgegangen. Den beruflichen Druck, den der Angeklagte bei seiner Vernehmung geschildert hatte, wollte die Anklage nicht gelten lassen: „Die Taten sind nicht das Ergebnis des Erwartungsdrucks in der Bank“, sagte die Staatsanwältin.
Anders sahen das die Rechtsanwälte des Mannes. Zwar hob auch eine der Verteidigerinnen hervor, der damals als „beruflicher Überflieger“ geltende Investmentbanker habe aufgrund seiner narzisstischen Persönlichkeit riskante Geschäfte getätigt.
In der Bank habe hoher Erfolgsdruck geherrscht. „Dieses Klima ist der Nährboden dafür gewesen, dass der Angeklagte seine
Persönlichkeitstendenzen ausleben konnte“, sagte die Verteidigerin. Heute sei ihr Mandant finanziell ruiniert. Außerdem habe er seine damalige Arbeit verloren und nun mehrere Jahre auf den Prozess warten müssen. Dies wiederum habe die persönliche Lebensplanung schwer beeinträchtigt. Auch sei der frühere Investmentbanker geständig gewesen. Die Verteidigung plädierte daher für die geringstmögliche Strafe. Das Urteil wird laut Landgericht voraussichtlich 12. Mai
verkündet. (dpa/lsw)