Mannheim: Anklage gegen Lokführer nach Zugunglück

Rund 19 Monate nach einem schweren Zugunglück mit 35 Verletzten im Hauptbahnhof Mannheim hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Lokführer erhoben. Der 62-Jährige habe ein Haltesignal übersehen und Warnungen ignoriert, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Er habe sich so der Gefährdung des Bahnverkehrs und
der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht. Anklage erhoben wurde vor dem Amtsgericht Mannheim. Wann es dort zu einem Prozess kommt, stehe noch nicht fest. Der 62-Jährige war Lokführer eines Güterzuges. Dieser war mit einem mit 250 Menschen besetzen Eurocity zusammengestoßen. Der Unfall ereignete sich am 1. August 2014. Die Staatsanwaltschaft stützt sich nach eigenen Angaben auf den Abschlussbericht des Eisenbahn-Bundesamtes, der im vergangenen September veröffentlicht worden war. Den Ermittlungen der Behörde
habe sich die Staatsanwaltschaft angeschlossen, hieß es. Demnach übersah der Lokführer des rammenden Güterzugs ein Haltesignal. Die daraufhin folgende Zwangsbremsung des Zuges habe er aufgehoben und
sei ohne den vorgeschrieben Kontakt zum Fahrdienstleiter weitergefahren. Danach war es zur Kollision gekommen.
Bei dem Unglück waren zwei der neun mit Passagieren besetzen Waggons des Reisezuges entgleist und umgekippt. Auch die Lok des Güterzuges sowie mehrere Containerwagen entgleisten. Die Züge waren den Angaben
zufolge mit 30 bis 40 Kilometern pro Stunde unterwegs. Den Schaden bezifferten die Behörden mit mehr als 2,3 Millionen Euro. dpa/feh