Mannheim: „Fremdheit ist die Quelle von Angst und Aggression“

Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, der im Sommer wiedergewählt wurde, hat seine zweite Amtseinführung genutzt, um auf Problemlagen und Handlungsfelder seiner zweiten Amtszeit hinzuweisen. Er identifizierte fünf Bereiche, die in seinen Augen zu den großen Herausforderungen für die Stadt zählen, nämlich Mannheims Rolle als Innovationstreiber, die Konversion, die Zuwanderung, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt und die Entwicklung der lokalen Demokratie. Mannheim verändere sich, so der OB, werde noch städtischer und vielgestaltiger. Dennoch seien die Herausforderungen, insbesondere durch Zuwanderung, nicht kleiner geworden. Aber: “ Insgesamt sind Potenziale und Stärken in den letzten Jahren jedoch mehr gewachsen als Risiken und Schwächen“, so Kurz.

Ein entscheidender Faktor in der Entwicklung der Stadt sei es, Urbanität und damit Dichte zu schaffen, betonte der OB. Die Konversion habe man bislang als Chance zur Stadtentwicklung gesehen, bei der es nicht nur um die Verwertung von Grundstücken gehe, sondern eben darum, Innovation, Urbanität und Lebensqualität durch offene Räume deutlich zu fördern. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen erlebe man eine Achterbahnfahrt mit der Frage, ob die Entwicklungen der letzten Jahre auch wirklich realisiert werden könnten. „Der Ball lag für die Kernfrage der Konversion auf dem Elfmeterpunkt und nicht weil er da hin gerollt ist, sondern weil wir ihn da in den letzten Jahren hinlegen konnten. Politik und Öffentlichkeit in ihrem Wechselspiel haben nun die gemeinsame Aufgabe, ihn zu verwandeln. Ich habe keine Zweifel, dass wir das können. Bund und Land müssen uns aber auch lassen“, so der Appell des Oberbürgermeisters. Und weiter: „Ein Scheitern der Pläne für Benjamin Franklin wäre eine für die Stadt Mannheim nicht zumutbare Sonderlast, die nicht gerechtfertigt ist, zumal sie der Flüchtlingsunterbringung und insbesondere der akuten Aufnahme nicht entgegensteht“.

Das Thema Zuwanderung habe, erst durch die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien und aktuell durch die Flüchtlingsunterbringung, eine neue Dimension bekommen. Die Welle der Hilfsbereitschaft sei enorm, so der OB, der allen für das große Engagement dankte. Die Stadt stehe jetzt vor der Aufgabe, diese Hilfsbereitschaft zu koordinieren.  „Als Stadtgemeinschaft müssen wir unsere Anstrengungen noch erhöhen, Begegnung zu organisieren und Fremdheit zu überwinden. Fremdheit ist die Quelle von Angst und Aggression“, betonte Kurz. Eine wichtige Dimension dabei sei die Identifikation mit der Stadt, die es zu stärken gelte.

Die Städte müssten sich globalen Fragen der Zukunft stellen. In der Addition der lokalen Antworten auf diese globalen Fragen werde sich die Zukunft entscheiden. Oberbürgermeister Dr. Kurz ist sicher: „Mannheim kann, soll und wird zu den Orten gehören, die beispielhafte Antworten geben, gerade weil wir besonders gefordert sind. Diese Antworten zu finden, ist eine anspruchsvolle, eine faszinierende und damit motivierende Aufgabe. Ich gehe Sie gerne mit Ihnen gemeinsam an“. (wg)