Mannheim: Institut für Deutsche Sprache untersucht Alltagssprache der NS-Zeit

Das Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim untersucht in einem dreijährigen Forschungsprojekt den alltäglichen Sprachgebrauch der NS-Zeit. «Darüber ist noch wenig bekannt – im Unterschied zur Rhetorik von Funktionsträger wie Adolf Hitler oder Joseph Goebbels», sagte Projektleiterin Heidrun Kämper. Es gelte, eine Forschungslücke zu schließen. Gefördert wird die Analyse «Sprachliche Sozialgeschichte 1933 bis 1945» von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn.

«Zur Untersuchung nutzen wir die vorhandenen schriftlichen Quellen», meinte Kämper. «Es gibt eigentlich recht viel Material, zum Beispiel Tagebücher und Feldpost.» Dies werde nun von einem Team ausgewertet. «Wir planen derzeit, am Ende einen Sammelband über die Erkenntnisse vorzulegen. Auch eine Tagung ist denkbar», sagte die Mitherausgeberin der Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuchs.

Untersucht werden soll unter anderem, inwieweit ist es dem NS-Regime gelungen war, seine Denkmuster und Sprachformeln in die breiten Schichten der Gesellschaft zu tragen. Haben zum Beispiel jene, deren Haltung in vollkommener Zustimmung zum Nationalsozialismus bestanden hat, sprachlich reproduziert, was der Apparat vorgegeben hat?

Die Analyse sei selten, sagte Heidrun Kämper. «Soweit ich überblicke, ist nicht erkennbar, dass das Thema international auf dieser Ebene untersucht ist.» Meist seien nur die Hauptakteure erforscht worden. (lsw/Bild: 3268zauber via wikimedia.org)