Mannheim: Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz appelliert im Corona-Herbst an die Vernunft der Menschen

In einer auf Facebook und YouTube veröffentlichten Videobotschaft hat sich der Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz am Sonntag an die Bevölkerung gewandt. Er appelliert nicht nur daran, die Regeln der aktuellen Corona-Verordnung zu beachten, sondern darüber hinaus im Alltag vernünftig und vorausschauend zu sein, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. (Die Allgemeinverfügung der Stadt Mannheim vom 15.10.2020 mit den aktuell gültigen Corona-Regeln ist hier abrufbar.)

Beispielsweise könne man darauf achten, die Sozialkontakte zu halbieren und die Nähe zu anderen Menschen einzuschränken. Es gehe jetzt vor allem darum, die Infektionsketten nachvollziehbar zu halten und vulnerable Gruppen – also beispielsweise Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen – vor dem Virus zu schützen. Die Zahl der belegten Betten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen steige bereits wieder an, so Kurz in seiner Botschaft.

Videobotschaft von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz vom 18.10.2020

Den Text der Videobotschaft haben wir transkribiert:

„Liebe Mannheimerinnen, liebe Mannheimer, ich wende mich heute an Sie, nicht nur um aktuelle Entscheidungen und Regelungen zu erläutern, sondern um Sie um Ihre Mithilfe zu bitten.

Die neuen Entscheidungen, die wir in den letzten Tagen treffen mussten, sind eine Reaktion darauf, dass die Infektionszahlen Woche um Woche trotz aller Appelle und Hinweise gestiegen sind. Nun sagen einige: „Wieso müssen die Zahlen runter? Es werden doch deutlich weniger Menschen schwer krank als im Frühjahr und es sind mehr Menschen getestet worden als damals.“ Beides ist richtig. Dennoch muss jetzt gehandelt werden. Denn obwohl der Anteil der infizierten Menschen mit Symptomen gesunken ist, steigt die Zahl der Menschen, die im Krankenhaus oder sogar auf der Intensivstation behandelt werden müssen, deutlich.

Auch können auf Dauer bei zu vielen Infizierten die Infektionsketten nicht mehr verfolgt und so Risikogruppen nicht mehr ausreichend geschützt werden. Leider hat sich bislang die Hoffnung, das Virus könnte weniger gefährlich werden, nicht erfüllt. Deshalb muss verantwortungsvolle Politik dafür sorgen, dass die Zahlen wieder sinken. Abgesehen davon, dass die sozialen und wirtschaftlichen Folgen eines zweiten Lockdowns schwer zu ertragen wären.

Mit den neuen Regeln soll das Infektionsgeschehen gebremst werden. Die Regeln allein werden aber nicht genügen. Es kommt vor allem auf das verantwortungsvolle Handeln von allen gemeinsam an. Die Infektionen mit dem Coronavirus finden überwiegend durch direkte nahe Kontakte insbesondere im Privatbereich statt. Es ist menschlich, das Risiko, das von befreundeten bekannten Menschen ausgehen kann, geringer einzuschätzen als von Unbekannten. Nur: Das Risiko ist nicht geringer. Im Gegenteil, die meisten Infektionen geschehen zwischen Menschen, die sich nicht nur nahe kommen, sondern die sich als Freunde, als Verwandte, als Kollegen nahestehen. Derzeit müssen wir davon ausgehen, dass zwei infizierte Personen drei andere mit dem Virus anstecken. Das muss sich ändern. Deshalb müssen wir unsere Sozialkontakte reduzieren.

Eine gute Faustformel ist, die Zahl der Begegnungen zu halbieren und uns bei allen nahen Begegnungen so weit es geht zu schützen und das Risiko zu minimieren. Im März und April ist genau das gelungen. Es muss uns wieder gelingen. Die Regeln geben nur einen Anhalt, dass sich etwas ändern muss und wie es geändert werden kann. Wenn aber alle die Regeln jetzt ausreizen, ist nichts gewonnen.

Wer fragt, warum nicht die Familien von zwei Geschwistern mit zehn Menschen die Großeltern besuchen können, hat die Dramatik der Situation nicht verstanden. Es ist für die Großeltern jetzt nicht sinnvoll, wenn die ganze Familie sie im geschlossenen Raum besucht und vielleicht über Stunden zusammensitzt. Schützen Sie Ihre Angehörigen und seien Sie achtsam. Die Regeln ersetzen nicht Ihre persönliche Verantwortung. Sie beschreiben das Maximum, das wir für die Allgemeinheit hinnehmen wollen. Wir wollen möglichst die Einschränkungen wieder aufheben können. Wir wollen Weihnachten und Silvester zumindest einigermaßen so verbringen, wie wir es gewohnt sind. Auch dafür müssen die Infektionszahlen sinken.

Die Stadtverwaltung hat eine Allgemeinverfügung erlassen mit Teilnehmerbeschränkungen für private Feiern, erweiterter Maskenpflicht und Einführung einer Sperrstunde. Die Regelungen orientieren sich an den Empfehlungen von Bund und Land. Dabei hat sich insbesondere das Tragen der Maske als wirksames Mittel erwiesen. Die teilweise absurden Kampagnen gegen das Maskentragen beschädigen das einfachste und am wenigsten einschränkende Mittel. Ich bitte Sie also: Beachten und achten Sie die Regeln. Aber reizen Sie sie nicht aus. Die Regeln sind eine notwendige Ergänzung, um unser Ziel zu erreichen.

In der jüngeren Geschichte war es nie wichtiger, dass sich jede und jeder einzelne verantwortungsbewusst verhält. Es ist Zeit, Verantwortung für andere zu übernehmen. Reduzieren Sie Ihre Kontakte auf die Hälfte. Schützen Sie sich, Ihre Angehörigen, aber auch alle anderen. Gemeinsam können wir die Verbreitung des Coronavirus eindämmen. Lassen Sie uns dabei erneut erfolgreich sein.“