Mannheim: Polizeipräsident kündigt verstärkte Maßnahmen gegen Alkoholkrawalle an

Die unruhige Nacht in der Heidelberger Altstadt mit mehreren Verletzten hat nach Aussage von Mannheims Polizeipräsident die gleiche Ursache wie auch sonst bei Vorfällen dieser Art: „Exzessiver Alkoholkonsum“, sagt Andreas Stenger im Gespäch mit RNF am Sonntag. Über 20 Streifenwagen waren im Einsatz, um die Lage zwischen Marktplatz und Unterer Straße zu beruhigen, wo es nach Mitternacht zu mehreren Auseinandersetzungen kam. „Manche hatten über zwei Promille. Mit dem Alkohol-Pegel steigen Aggression und Gewalt“, so Stenger. Was ihn aber noch mehr beschäftigt, ist die erschreckende Brutalität, mit der sich die Betrunkenen in die Wolle kriegen. „Mit Messern oder abgebrochenen Flaschen.“  Stenger zeigt sich entschlossen, der Verwahrlosung Einhalt zu gebieten: „Wir werden Kräfte weiter gezielt verstärken, die Präsenz noch weiter erhöhen und den Kontrolldruck hochhalten. Platzverweisverfahren und Aufenthaltsverbote konsequent anwenden.“ In Heidelberg stehen die Probleme in der Altstadt oft in direktem Zusammenhang mit der Neckarwiese, erklärt Stenger. „Wenn wir die Neckarwiese stark kontrollieren oder gar räumen, haben wir mindestens 500 Leute mehr in der Unteren Straße und der Druck in der Altstadt steigt.
Wobei Heidelberg nicht der einzige konfliktträchtige Hotspot ist an den Wochenenden. Tumult und Krawall im öffentlichen Raum und hohes Gewaltpotenzial bei Alkoholexzessen beschäftigen die Polizei auch in Mannheim. „Alleine im Jungbusch setze ich jede Nacht zusätzlich rund 30 Beamte ein, um die Eventmeile einigermaßen unter Kontrolle halten zu können.“ Und das, obwohl die Stadt „stark engagiert“ sei, wie er lobend erwähnt und dabei unter anderem den Kommunalen Ordnungsdienst und den Nachtbürgermeister ins Feld führt. Wasserturmanlage, Alter Meßplatz, Neumarkt und Neckarstadt-West seien weitere potenzielle Hotspots in der Quadratestadt. „Sehr gut und aggressionshemmend“ laufe bislang das Alkoholverbot im Jungbusch ab 22 Uhr. Doch die Problemlage insgesamt sei größer. Wegen Corona sind die Clubs und Diskotheken geschlossen. „Schwierige Zeit“, sagt der 57-Jährige, der seit Mai 2019 das Polizeipräsidium leitet. Obendrein kämen Nachtschwärmer aus Hessen und Rheinland-Pfalz nach Nordbaden. „Auch um Krawall zu machen“.
Illusionen gibt er sich deshalb nicht hin. „Wir werden unsere Kräfte weiter bündeln müssen und an den Brennpunkten gezielt und lagebildorientiert deutliche Schwerpunkte setzen – Präsenz, Kontrollen, Schwerpunktaktionen, aber auch Prävention, taktische Kommunikation und Deeskalation im Vorfeld.“ Die Sicherheitspartnerschaft mit der Stadt Heidelberg sei auch hier das Fundament. Wobei er die Wirte ebenfalls in der Pflicht sieht, speziell bei den Themen Aussenbewirtschaftung und Alkohol to go.  (wg)