Mannheim: Salafisten-Kundgebung zu Ende – verletzte Polizisten und Festnahmen

Am Abend ist eine Kundgebung extrem islamistischer Salafisten auf dem Mannheimer Marktplatz zu Ende gegangen. Die Demonstration war von einem massiven Polizeiaufgebot geprägt, das die rund 400 Versammlungsteilnehmer von Gegnern der Veranstaltung trennte. Mehrere Hundertschaften waren im Einsatz.

Im Lauf der Veranstaltung wurden nach Angaben der Polizei fünf Beamte leicht verletzt. Sie trugen unter anderem Prellungen, ein Knalltrauma durch in der Menge gezündete Böller sowie Augenreizungen durch Reizgas davon.

Bereits vor Beginn der Veranstaltung habe es verbale Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern anderer islamischer Gruppen und den Salafisten gegeben, so die Polizei. Außerdem waren etwa 200 gewaltbereite Fußball-Fans gekommen, die sich als Anhänger der Vereine SV Waldhof, 1. FC Kaiserslautern und VfB Stuttgart kennzeichneten. Die Fangruppen gelten als verfeindet, traten hier aber als Gruppe auf. Immer wieder versuchten sie während der Veranstaltung zu der Demonstration vorzudringen, wurden aber von Haltegittern gestoppt. „Um die aufgeheizte Stimmung nicht eskalieren zu lassen, wurden sechzehn Hooligans in Gewahrsam genommen, die Personalien festgestellt und nach Ende der Veranstaltung wieder auf freien Fuß gesetzt“, heißt es im Polizeibericht. Vier Hooligans wurden „wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz (Zünden von Pyrotechnik), das Vermummungsverbot, versuchter Körperverletzung und Beleidigung vorläufig festgenommen. Nach ihrer erkennungsdienstlichen Behandlung wurden sie ebenfalls wieder auf freien Fuß gesetzt.“

Die Veranstaltung hatte gegen 14:15 Uhr unter angespannten Bedingungen und begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert begonnen. Die Kundgebung stand unter der Überschrift: „Wie steht der Islam zum Thema Gewalt?“ Viele unter den 400 Teilnehmern waren Konvertiten deutscher Herkunft aus dem gesamten Bundesgebiet. Mannheim wurde als Veranstaltungsort ausgewählt, weil hier der deutsche Konvertit Sven Lau im Gefängnis einsitzt. Der Salafismus ist eine fundamentalistische Richtung im Islam, die Gehorsam gegenüber dem Wortlaut des Korans fordert. Ihre Szene in Deutschland wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Dieser rechnet diesem Spektrum etwa 4500 Personen in Deutschland zu. In Baden-Württemberg wird ihre Zahl auf etwa 550 geschätzt.

Der Marktplatz in Mannheim gegen 16:45 Uhr (Bild: RNF)

Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz und Erster Bürgermeister Christian Specht kamen zu der Kundgebung, um sich einen Eindruck von der Lage vor Ort zu machen. Die evangelische und die katholische Kirche in Mannheim äußerten sich besorgt, dass die Veranstaltung den Dialog zwischen den Religionen in der Stadt stören könnte. Die Dekane beider Kirchen distanzierten sich in einer Erklärung mit Oberbürgermeister Peter Kurz und mehreren islamischen Organisationen von „jedem Versuch, Religion dafür zu nutzen, um Unfrieden zu säen“. Auch der Migrationsbeirat wandte sich gegen die Veranstaltung.  Die Versammlung war nur unter Auflagen genehmigt worden.

Gegen 16 Uhr seien nur noch etwa 20 Hooligans am Veranstaltungsort gewesen, so die Polizei. Nach Ende der Rede des Predigers Pierre Vogel habe sich die Lage beruhigt. Die Polizei war bis zum Schluss mit großem Aufgebot präsent und hielt die Gruppen auf Abstand voneinander. Die Straßen rund um den Marktplatz waren gesperrt. Stadtbahnen wurden umgeleitet. Gegen 18 Uhr war die Veranstaltung beendet.

Noch nach Veranstaltungsende, gegen 19 Uhr, griff die Polizei bei einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Anhängern der Salafisten-Szene und türkisch-stämmigen Anwohnern ein.

(rk, Informationsstand 20 Uhr, aktualisiert mit Material von dpa)