[AKTUALISIERT] Mannheim: Schwerer Verdacht gegen Bilfinger

Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger soll als Ausrüster der Fußball-WM in Brasilien Schmiergeld gezahlt haben. Das berichtet die „Bild am Sonntag“.

Angeblich flossen über 20 Mio Euro an Verantwortliche des Fußball-Weltverbands FIFA und an brasilianische Politiker der Austragungsorte. Der Verdacht sei durch Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Ernst&Young und Deloitte erhärtet. Dies habe Bilfinger sogar bestätigt. „Sollten die Vorwürfe nachweislich zutreffen, wird Bilfinger personelle Konsequenzen ziehen und juristische Schritte einleiten“, zitiert das Blatt einen Sprecher des Unternehmens.

Abgewickelt wurde das Schmiergeldgeschäft offenbar über die Bilfinger-Tochter Mauell (Velbert). Das Unternehmen hatte an den zwölf Spielstätten in Brasilien Verkehrsleitzentralen mit insgesamt 1500 Samsung-Displays und Software ausgestattet, um Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr zu koordinieren. Nach Informationen des Blattes zweigten Bilfinger-Manager das Schmiergeld beim Ein- und Weiterverkauf von Software der Firma IBM ab, die für die Vernetzung der Kontrollräume benötigt wurde. Während Bilfinger für die Software knapp drei Millionen Euro gezahlt habe, seien den Brasilianern 25 Millionen Euro berechnet worden. Die Differenz von 22 Millionen Euro sei für fiktive „Beratungsleistungen“ an Firmen geflossen. Diese gaben das Geld an Fifa-Verantwortliche und brasilianische Lokalpolitiker weiter.

Wie bei Großaufträgen üblich, erfolgte die Lieferung der Kontrollräume mit Wissen des Konzernvorstands. Bilfinger-Chef zu jener Zeit: Roland Koch. (wg)


 

Aktualisierung von 11:30 Uhr:

Am Mittag hat Bilfinger eine Pressemitteilung herausgegeben, in der das Unternehmen ausführlich zu den Vorwürfen Stellung nimmt. Wir dokumentieren die Pressemitteilung im Wortlaut:

Bilfinger verfolgt Hinweise auf Compliance-Verstöße in Brasilien

Bilfinger hat bereits im letzten Jahr interne Hinweise erhalten, nach denen es bei Aufträgen zur Lieferung von Monitorwänden für Sicherheitsleitzentren in mehreren brasilianischen Großstädten zu Verstößen gegen die Compliance-Regeln des Konzerns gekommen sei. Das Unternehmen hat umgehend eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Der Vorwurf betrifft angebliche Bestechungszahlungen durch Beschäftigte einer Bilfinger-Gesellschaft in Brasilien.

Bilfinger hat in einem ersten Schritt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit der Datensicherung in Deutschland und Brasilien beauftragt und anschließend der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte sowie einer spezialisierten Anwaltskanzlei in Brasilien die weitere Aufklärung der Vorgänge übertragen. Der Verdacht hat sich inzwischen erhärtet, die Untersuchungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Dies gilt auch für die Frage, an wen und in welcher Höhe Zahlungen erfolgt sind. Sollten die Vorwürfe nachweislich zutreffen, wird Bilfinger personelle Konsequenzen ziehen und juristische Schritte einleiten.

Das Auftragsvolumen für die Ausrüstung der Sicherheitszentren belief sich auf rund 6 Mio. €. Aufträge dieser Größenordnung werden nicht im Konzernvorstand behandelt. Die Leistung beinhaltete die Lieferung von Monitorwänden und der erforderlichen Software zur Steuerung der Bildschirme. Bei der Software handelt es sich um eine Eigenentwicklung, es wurde keine Software von IBM zugekauft.

Bilfinger verfügt über ein konzernweit gültiges Compliance-System. Es entspricht internationalen Standards und wird kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt. Hinweisen auf mögliche Verstöße geht das Unternehmen mit eigenen Untersuchungen nach und schaltet die zuständigen Behörden ein.