Mannheim: Sprach-Forscher wünscht sich mehr Deutsch in EU

Mit dem Brexit gewinnt die deutsche Sprache in der EU nach Ansicht des Linguisten Henning Lobin an Bedeutung. Der neue Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim sagte in einem dpa-Interview: „Nach dem Austritt Großbritanniens würde Englisch für 99 Prozent der EU-Bürger eine Fremdsprache sein“. Als Englisch sprechende Länder verblieben nur noch Irland und Malta in der Europäischen Union. Der Anteil der Deutsch Sprechenden werde automatisch höher. Aber die faktische Verwaltungssprache in den EU-Institutionen sei Englisch. „Es wäre wünschenswert, wenn dort die deutsche Sprache breit gesprochen und verstanden würde – allerdings stellen Franzosen, Italiener oder Polen dieselben Ansprüche“, sagte der Professor für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik. Das Thema Sprache in der EU sei sehr komplex, weil politische und gesellschaftliche Fragen mitbedacht werden müssten, betonte Lobin, der das Institut als Nachfolger des langjährigen Chefs Prof. Ludwig Eichinger seit Anfang August leitet. Ebenso wichtig sei ihm die praktische Vermittlung der deutschen Sprache, sagte der 54-Jährige. „Wenn wir sagen, es soll mehr Deutsch gesprochen werden, dann sollen Menschen in anderen Ländern mehr Deutsch lernen können.“ Dabei sehe er die 159 Goethe-Institute, den
Deutschen Akademischen Austauschdienst und das IDS selbst in der Pflicht. Im IDS treffen sich einmal im Jahr 200 Wissenschaftler, die sich um die Vermittlung des Deutschen in ihren Heimatländern bemühen. „Aufgrund der guten ökonomischen Lage in Deutschland waren sie damit in den letzten Jahren recht erfolgreich“, erläuterte Lobin, der bislang Vizepräsident der Universität Gießen war. Das Interesse an
der deutschen Sprache sei vor allem in Osteuropa groß, es wachse in China; aber in einigen Ländern wie Großbritannien verliere das
Deutsche an Bedeutung. (mho/dpa)