Mannheim: „Und morgen die ganze Welt“ – Deutsche Oscar-Hoffnungen ruhen auf in Mannheim gedrehtem Polit-Drama

Die Film-Crew um Regisseurin Julia von Heinz war von Mannheim und seinen Kulissen sofort angetan. Deshalb erhielt die Quadratestadt auch den Zuschlag als Drehort des Polit-Dramas „Und morgen die ganze Welt“ und setzte sich gegen Stuttgart und Karlsruhe durch. Die Regisseurin schätzte bei den Dreharbeiten das Flair der „Arbeiterstadt Mannheim“. Jetzt soll ihr Film Deutschland bei der Oscar-Verleihung vertreten.

«Und morgen die ganze Welt» ist ein hochpolitischer Film. Julia von Heinz thematisiert darin die politischen Extreme – Neonazis ebenso wie Linksradikale. Rechter Extremismus und Populismus sind auf dem Vormarsch. Eine Tatsache, die sehr viele Menschen mit Sorge sehen. Doch wie weit darf man gehen, um diesen Ansichten die Stirn zu bieten? Mit dieser Frage setzt sich die Regisseurin in dem Film auseinander.

Im Mittelpunkt steht die Jurastudentin Luisa, die sich in linken, antifaschistischen Kreisen engagiert. Im Kampf gegen Rechte und Neonazis schrecken ihre neuen Freunde nicht vor Gewalt zurück und Luisa muss entscheiden, wie weit sie selbst bereit ist, zu gehen. Ein brisanter Film, der nun Chancen auf höchste Ehren hat – denn seit Mittwochabend ist klar, dass das Politidrama Deutschland beim Rennen um die Oscars vertreten wird.

Schon die internationale Premiere ihres von persönlichen Jugenderfahrungen inspirierten Films war groß, lief er doch im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig. Nun überzeugte die Honorarprofessorin der Hochschule für Fernsehen und Film in München auch noch die Jury, die die Auslandsvertretung des deutschen Films (German Films) mit der Auswahl des Oscarbeitrags betraut hatte. «In einer Zeit, in der die Demokratie zunehmend unter Druck gerät, stellt Julia von Heinz die Frage, ob und wenn ja, wann Gewalt gerechtfertigt oder sogar notwendig ist», begründeten die Juroren ihre Entscheidung. Sie lobten die herausragende Leistung von Hauptdarstellerin Mala Emde ebenso wie die Kamera. Zudem konfrontiere der Film die Zuschauer mit Konflikten und Entscheidungsprozessen, denen sie sich nicht entziehen könnten.

«Und morgen die ganze Welt» setzte sich gegen neun andere Filme durch, darunter die Literaturverfilmung «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» von Oscarpreisträgerin Caroline Link, Oskar Roehlers Biopic «Enfant Terrible» über das Leben des Filmgenies Rainer Werner Fassbinder und «Berlin Alexanderplatz» von Burhan Qurbani. Beworben hatten sich auch die Macher der Filme «Fritzi – Eine Wendewundergeschichte», «Crescendo #makemusicnotwar», «Curveball», «Ein nasser Hund», «Undine» und «Ich war noch niemals in New York». Nun also ein Drama, das vom Thema her auch in den USA auf Interesse stoßen dürfte, wo politisch motivierte Gewalt – häufig aus dem sehr rechten Lager – vielerorts ein Klima der Angst verbreitet.

Jetzt ist die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) im kalifornischen Beverly Hills am Zuge. Aus allen internationalen Bewerbungen wählt sie zunächst zehn Filme aus, die am 9. Februar 2021 bekanntgegeben werden. Am 15. März werden dann die fünf nominierten Filme verkündet. Die eigentliche Preisverleihung ist am 25. April 2021. (mho/dpa)