Mannheim/USA: Nach Rekord-Draft – Jungadler Tim Stützle will bester Eishockey-Spieler der Welt werden

Als er beim NHL-Draft so früh ausgewählt worden war wie einst Eishockey-Topstar Leon Draisaitl, war für Tim Stützle an Schlaf erst einmal nicht zu denken. Schon an dritter Stelle entschieden sich die Ottawa Senators für den jungen deutschen Stürmer. Stützle hält damit gemeinsam mit Draisaitl den Bestwert bei den Männern für die früheste Auswahl eines deutschen Sportlers in einer der nordamerikanischen Profiligen. «Natürlich ist es eine große Ehre für mich. Was Leon letztes Jahr in der NHL gemacht hat, ist etwas Außergewöhnliches. Deswegen muss ich sagen, dass es für mich ein zusätzlicher Ansporn ist», sagte der 18-Jährige, als er am Mittwochmittag zum wiederholten Male zur für ihn aufregenden Nacht Rede und Antwort stand.  Der NHL-Draft war für ihn einige Minuten lang spannend wie eine Quizshow gewesen – bis Moderator Alex Trebek der legendären Sendung «Jeopardy!» seinen Namen nannte und er wusste: Die Senators aus Kanadas Hauptstadt sind sein neues Team. «Wer ist Tim Stützle?» war die als Frage formulierte Antwort auf die Quizfrage, wen Ottawa im Draft ausgewählt hatte. «Das war toll, er hat nette Worte gesagt», sagte Stützle. In Mannheim hatte er mit Familie und Teamkollegen der Adler die Rechtevergabe an den Talenten in der stärksten Eishockey-Liga der Welt verfolgt. Über das schicke weiße Hemd mit schwarzer Fliege hatte er sich Sekunden nach der Entscheidung ein Senators-Trikot mit seinem Namen und der Nummer 88 auf dem Rücken gestreift. Zeit, all die Glückwünsche zu lesen oder mit seinen Eltern zu reden, hatte er kaum. Das Handy stand nicht still. Erst um sechs Uhr morgens sei er zu Hause gewesen.  Draisaitl hatte seinen Nachfolger am Dienstag noch angerufen und nach eigener Aussage «viel Glück» gewünscht. Der 24 Jahre alte Kölner zeigte sich nach einer privaten Trainingseinheit in seiner Heimatstadt begeistert vom Abschneiden der deutschen Talente. «Das ist für das deutsche Eishockey natürlich riesig», sagte Draisaitl nach der Einheit – wohlwissend, dass es in Deutschland zuletzt eher schlechte Nachrichten gegeben hatte. Zum Hickhack um den erneut verschobenen Saisonstart der Deutschen Eishockey Liga aufgrund der Corona-Krise wollte sich Draisaitl aber nicht mehr äußern.
In der NHL soll die neue Saison am 1. Januar beginnen. Da möchte es Stützle in den Kader des Teams geschafft haben, das die vergangene Saison als Vorletzter in der Eastern Conference beendete und die Playoffs klar verpasste. «Mein Ziel ist, so schnell wie möglich nach Ottawa zu gehen und dort meinen Traum zu verwirklichen», sagte Stützle. «Ich glaube, dass es klappen kann in Ottawa, vor allem weil sie auch so eine junge Mannschaft haben und alles am Umwerfen sind.» Dem 18-Jährigen aus Tönisvorst am Niederrhein schwebt eine ähnliche Karriere wie die von Draisaitl vor. Draisaitl ist nach seinem Draft 2014 kontinuierlich zum aktuell vielleicht besten Spieler der Welt aufgestiegen. In der abgelaufenen Saison wurde der Stürmer der Edmonton Oilers Top Scorer der NHL und sogar zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. «Das ist auch mein Ziel, so zu sein», sagte Stützle. (dpa/mj)