Mannheim: Versuchter Mord aus gekränkter Ehre – Urteil erwartet

Im Fall eines versuchten Mordes aus gekränkter Ehre will das Landgericht Mannheim heute sein Urteil gegen den angeklagten Mittzwanziger verkünden. Der in Rüsselsheim gemeldete Mann, der nach eigenen Angaben aus Jordanien stammt, hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft versucht, den 13 Jahre älteren Ex-Partner seiner Halbschwester umzubringen. Grund: Der Mann hatte Fotos seiner Ex-Freundin an deren streng gläubige Verwandtschaft in Jordanien geschickt. Da die Frau ohne Kopftuch und im T-Shirt aufgenommen worden war, fühlten sich die Angehörigen in ihrer Ehre gekränkt.  Das Urteil war ursprünglich für Mitte April vorgesehen, musste aber wegen eines Beweisantrages der Verteidigung verschoben werden. Die Rechtsanwälte hatten die Vernehmung der Schwester des Opfers verlangt. Sie soll vor der Urteilsverkündung noch befragt werden. Auch der in Deutschland lebende Halbbruder der jungen Frau meinte, die Familienehre wiederherstellen zu müssen – mit der Attacke gegen den früheren Freund seiner Halbschwester, wie die Staatsanwaltschaft es darstellt. Der lebensgefährlich Verletzte konnte wegen des Eingreifens einer Spaziergängerin am Tatort bei der Burgruine Windeck in Weinheim fliehen. Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten zu verurteilen. Die Verteidigung hat darauf plädiert, den bereits wegen Körperverletzung Vorbestraften der gefährlichen Körperverletzung schuldig zu sprechen und eine milde Strafe zu verhängen (Az.: 1 Ks 200 Js 27800/19). (dpa/asc)