Mannheim: Wilder Sperrmüll nervt Bürger und Kommunen

Ausrangierte Matratzen, alte Kommoden und schäbige Stühle: Sperrmüll, einfach ohne Anmeldung an die Straße gestellt, nervt Bürger und Stadtreinigungen. Vielerorts wachsen die wilden Möbelberge – bis sie jemand wegfährt.

Von Christine Cornelius, dpa

Wilder Sperrmüll sorgt in den Kommunen im Südwesten immer wieder für Verdruss. «Es ist etwas, das die Stadtreinigung außerordentlich ärgert, weil er auch das Stadtbild prägt», sagte der Leiter des Mannheimer Eigenbetriebs für Abfallwirtschaft, Stefan Klockow, der Deutschen Presse-Agentur. «Oft liegt er eine Zeit lang dort – wir können nicht sofort reagieren. Wir haben kein Fahrzeug, das den ganzen Tag durch die Stadt fährt und diesen wilden Sperrmüll einsammelt.»

Bürger reagierten dann teils genervt und gäben der Stadtreinigung die Schuld, dass es dreckig aussehe. «Wir sind nicht dafür verantwortlich, wenn die Stadt schmutzig ist», betonte Klockow. «Es sind die Bürger, die ihre Stadt schmutzig machen.»

Ein Sprecher des Landkreistages sagte: «Vermüllung ist immer etwas Hässliches.» Wilder Sperrmüll sei mit einem erheblichen logistischen Aufwand verbunden und treibe letztlich auch die Müllgebühren für die Bürger in die Höhe. In der Anonymität der Städte komme es häufiger zu illegal abgestelltem Sperrmüll als auf dem Land, wo die soziale Kontrolle größer sei. Dank Möglichkeiten wie Expressabholung von Sperrmüll laufe das Problem aber nirgendwo aus dem Ruder.

In Mannheim gibt es Klockow zufolge rund 32 000 angemeldete Sperrmüllabholungen im Jahr. Hinzu kämen etwa 1000 wilde Ablagerungen. «Die wachsen erfahrungsgemäß sehr schnell: Da steht dann erst ein kleines Regal, als nächstes dann eine Matratze und innerhalb einer Woche wächst ein Haufen heran, für den man einen Sperrmüllwagen braucht», sagte er. «Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass jemand seinen Sperrmüll einfach so an die Straße stellt.»

Das Umweltministerium in Stuttgart sieht auch die Gefahr von Umweltschäden. «Es ist sehr bedenklich, wenn Leute meinen, sie könnten ihren Abfall einfach in der Umwelt entsorgen», sagte ein Ministeriumssprecher. «Es können auch Umweltbelange tangiert sein, je nachdem, was für Öle oder Stoffe noch im Abfall enthalten sind.»

In Ulm hält sich das Problem zwar in Grenzen, taucht aber immer wieder auf. Auch hier lande Sperrmüll oft neben Glascontainern, sagte Abteilungsleiter Wendelin Huber von den Entsorgungsbetrieben der Stadt. «Es wird wohl davon ausgegangen, dass es dort mit abgeholt wird.» Das sei aber nicht so. «Eigentlich hätte es niemand nötig, etwas wild abzustellen.» Schließlich gebe es regelmäßige kostenlose Abholtermine. «Im Prinzip müsste es jeder wissen, wir haben es auch in vielen Sprachen veröffentlicht», sagte Huber. Vor allem alte Möbel landeten auf wilden Sperrmüllstätten. «Schränke, alte Kücheneinrichtungen – querbeet.»

Die Beseitigung von wildem Müll sei teuer, schreibt die Stadt Stuttgart auf ihrer Internetseite. Illegale Müllablagerungen seien Ordnungswidrigkeiten und würden je nach Schwere mit hohen Strafen geahndet. Die Verursacher könnten zwar selten gefunden werden, es solle aber nichts unversucht bleiben, um sie zu finden. Bei großen Mengen illegal abgelagerten Mülls sollten Bürger die Polizei einschalten.

«Wir haben alles schon gehabt», sagte eine Sprecherin der Abfallwirtschaft Stuttgart. «Es gibt nichts, was es nicht gibt – von Autoreifen über den Nachtschrank bis zur Matratze.» Ein Teil des wilden Sperrmülls werde von der Stuttgarter Sperrmüllabfuhr beseitigt. Im vergangenen Jahr wurden dafür 189 Extratouren gefahren.