Mannheim/Ravensburg: Hostien haben Hochsaison

Vor christlichen Feiertagen ist Hochsaison in den Hostienbäckereien. Während in der Nähe von Ravensburg hinter Klostermauern gebacken wird, stellt in Mannheim ein Privatunternehmen den Leib Christi symbolisch als Oblate her. Wie ein ungewöhnliches Produkt entsteht.

Bad Waldsee/Mannheim (dpa/lsw) – Wenige Worte werden gewechselt, wenn die Ordensschwestern Artemia und Revokata das ungesäuerte Brot im Kloster Reute (Kreis Ravensburg) backen. Während die Backeisen zischen und dampfen, konzentrieren sich die Franziskanerinnen in der Hostienbäckerei auf ihr Handwerk. Und auf ein gelegentliches Gebet. Beim Backen, so sagt Revokata, fühle sie sich den Menschen verbunden, zu denen die Hostien kommen: «Ich habe kein spezielles Gebet, das ich spreche», sagt sie.

Dennoch, die Oblaten symbolisieren im christlichen Glauben den Leib Christi. Das Backen gilt als typisches Klosterhandwerk. «Es dient auch zur Einkehr und Meditation», sagt Schwester Elisa Kreutzer, die für die Franziskanerinnen die Öffentlichkeitsarbeit erledigt. Das Kloster in Reute, einem Ortsteil der Stadt Bad Waldsee, ist Hauptsitz. Insgesamt gibt es etwa 230 «Franziskanerinnen von Reute».

Seit 1873 werden hier Hostien gebacken, das Rezept ist das gleiche geblieben. Der Teig besteht aus Weizenmehl und Wasser und wird mit speziellen Hostieneisen gebacken. Auf einer Seite der Eisen sind religiöse Motive – etwa das Christkind – eingeprägt, die später auf den Hostien zu sehen sind. Die Bilder sollen die Gläubigen bei der Kommunion an das Leben und Wirken Jesu erinnern. Die Schwestern stellen über das Jahr Tausende von Hostien her, bis zu 2000 am Tag. Bis vor drei Jahren belieferte das Kloster noch katholische und protestantische Gemeinden in Deutschland.

Auch im europäischen Ausland und in Übersee kamen die Hostien aus Reute an. Die Nachfrage sei nach wie vor groß – gerade weil Motiv-Hostien als Besonderheit gelten, sagt Schwester Elisa. Doch konzentriere man sich heute auf den Eigenbedarf, das sei teilweise auch der Personalknappheit im Kloster geschuldet. Genügend Abnehmer gibt es aber auch in der St.-Elisabeth-Stiftung – sie wurde 1999 von der Gemeinschaft gegründet – in der es Pflegeheime für Alte und Behinderte gibt, aber auch Kindertagesstätten und ein Hospiz.

Hostien werden auch in der Mannheimer Opferbrotbäckerei Stasius überwiegend mit Weizen und Wasser hergestellt. Aber das 1955 gegründete Unternehmen liefert auch glutenfreie Hostien, wenn das die Kunden wünschen. «Die Bedingungen haben sich geändert», sagt Geschäftsführer Paul Stasius. Er leitet das Unternehmen, seit seine Schwester Magdalena 2012 gestorben ist. Die Firma war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Betrieb in Deutschland, der Brothostien herstellte und sie deutschlandweit an Kirchengemeinden lieferte.

Wie der gelernte Bäcker berichtet, wird der Kreis der Abnehmer seit Jahren nicht unbedingt kleiner; aber in Zeiten, die durch eine anhaltend hohe Zahl an Kirchenaustritten und chronischen Priestermangel gekennzeichnet sind, schwanken Bestellmengen. «Um zu sparen, müssen Bistümer ihre Gemeinden zusammenlegen, das erfordert auch von uns mehr Flexibilität», sagt Stasius, der praktizierender Katholik ist. Wie er sagt, werden täglich 80 000 bis 120 000 Oblaten hergestellt.

Zu den knapp 3000 Kunden zählen nicht nur Pfarreien, sondern auch Krankenhäuser und Klöster. Bisher geht es der Opferbrotbäckerei gut. Ob das so bleibt? «Schwer abzuschätzen», sagt der Chef. Andererseits gebe es immer wieder besondere Aufträge. So konnte der Betrieb zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Bayern 2006 einen Großauftrag der Erzdiözese München-Freising an Land ziehen. 150 000 Hostien backten die Kurpfälzer für die Papstmesse in München-Riem. Auch schätzen Kunden aus dem europäischen Ausland, etwa aus Österreich, die Hostien aus Mannheim. Nach wie vor werden in der kargen Bäckerei Millionen von Hostien im Jahr hergestellt. «Brot für das Leben der Welt», steht in großen Lettern an der Wand – direkt über dem Backofen.