Mannheim/Stuttgart: Demonstrationen pro und contra Erdogan in Baden-Württemberg

Vor dem Hintergrund des eskalierten Konflikts in der Türkei sind am Samstagabend in Stuttgart rund 2000 Kurden und andere Kritiker der türkischen Regierung auf die Straße gegangen. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot protestierten sie in der Stadt etwa gegen die Angriffe türkischer Kampfjets auf die PKK im Nordirak. Sie forderten «Frieden und Demokratie für die Türkei». Die Polizei zog einige verbotene PKK-Fahnen ein, größere Vorkommnisse gab es zunächst nicht. Angemeldet wurde die Stuttgarter Demo von einem Vertreter der religiösen Minderheit der Aleviten.

In Mannheim stärkten derweil Anhänger des Staatschefs Recep Tayyip Erdogan den Rücken. Auf dem Marktplatz schwenkten am Abend rund 3000 Menschen Fahnen für die Türkei und gegen die Kurdische Arbeiterpartei PKK. Zu der Kundgebung hatte die UETD (Union Europäisch-Türkischer Demokraten), eine Lobbyorganisation der AKP, aufgerufen. Vor der Versammlung wurde die türkische Nationalhymne angestimmt. Im Vorfeld der Demo war es laut Polizei zu einer Schlägerei zwischen zwei Männern gekommen, einem Erdogan-Anhänger und einem Gegner.

In der Nacht zum Freitag hatte die türkische Luftwaffe erneut massive Angriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Untergrundorganisation Kurdische Arbeiterpartei (PKK) im Nordirak geflogen. Dabei sollen mindestens 60 Menschen getötet worden sein, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Nach fast neun Tagen hat die Türkei am Samstag indessen die Ausgangssperre in Cizre nahe der Grenze zu Syrien aufgehoben. Die Stadt mit 120 000 Einwohnern war von der Außenwelt abgeriegelt gewesen. Dabei waren laut Amnesty International Mobilfunksignale und Straßen blockiert und die Strom- und Wasserversorgung unterbrochen gewesen. Berichten zufolge war es auch zu Störungen im Gesundheitswesen gekommen. (lsw)