Kommentar zur Sperrung Hochstraße Süd in Ludwigshafen – von Ralph Kühnl

Vier Wochen bleibt die Hochstraße Süd in Ludwigshafen also gesperrt. Mindestens. Vier Wochen, in denen sich die Region schonmal an den Verkehr der Zukunft gewöhnen kann. Denn viel besser wird es nicht mehr werden. Zwar sind die Risse im Tragwerk der Hochstraße, deretwegen eine der Hauptachsen zwischen der Pfalz und Baden nun vom Stadtplan genommen wurde, nur wenige Millimeter breit. Aber Sicherheit gehe nunmal vor, sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck, und da hat sie recht. Erst die Statik prüfen, dann weitersehen. Sie ließ heute durchblicken, dass die technischen Planungen, um die Hochstraße zu sanieren, relativ weit gediehen sind. Völlig offen ist aber die Finanzierungsfrage. Ludwigshafen alleine kann die Sanierung nicht stemmen, die Stadt braucht Bund und Land dazu – und es wäre zu wünschen, dass hier kein zusätzliches zeitraubendes und unwürdiges Gezerre entsteht, das auf dem Rücken der Menschen in der Region ausgetragen wird.

Denn ihnen steht noch genug Ungemach ins Haus: Jutta Steinruck hat keinen Zweifel daran gelassen, dass der Abriss der Hochstraße Nord und der Bau der Stadtstraße wie geplant vorangetrieben werden soll – unabhängig vom Zustand der Hochstraße Süd. Im Norden werde immer eine Fahrspur in jede Richtung verfügbar bleiben, sagte sie, und es sollte beruhigend wirken. Aber das Gegenteil ist der Fall: Bei einer dauerhaften Sperrung der Hochstraße Süd verengt sich die West-Ost-Achse von bisher insgesamt vier Spuren in jede Richtung auf jeweils nur noch eine. Bei dieser Aussicht ist alles, was Verkehrsteilnehmer heute bereits erleben, nur ein fader Vorgeschmack auf den eigentlichen Kollaps. Der Notfallplan, auf weiträumige Umgehungen zu setzen, wirkt in diesem Licht fahl und unausgereift. Die Wirtschaft fordert schon lange handfeste Konzepte für den „Worst case“ – die Antworten darauf sind aber nach wie vor schwammig.“


Der Video-Beitrag zum Thema aus RNF LIFE vom 23. August 2019