Zur Sache vom 2. November 2018

Wie harmlos ist der Sarotti-Mohr? Alte Leuchtreklame im Mannheimer Capitol plötzlich Tagesgespräch

Ein augenscheinlich nicht schlecht gelaunter Mohr in orientalischer Kleidung mit Turban und Pluderhosen. Auf einem Tablett trägt er eine Tafel Schokolade. Der Sarotti-Mohr. Aus der Mohrenstraße in Berlin, wo die Confiserie 1872 ihre Adresse hatte und heute in Hausnumer 37 das – ja, Sie hören richtig – das Bundesjustizministerium logiert. Im Mannheimer Musikhaus Capitol krönt seit den Sechziger Jahren schon eine der wenigen noch erhaltenen Sarotti-Leuchtreklamen die Bar im Foyer, mitsamt dem erleuchteten Mohr. Und schräg gegenüber findet sich seit Menschengedenken das Cafe Mohrenköpfle mit den unbestritten besten Torten in der Quadratestadt. Und doch: Am Mohr im Capitol entzündet sich urplötzlich eine heftige Debatte, die in den sozialen Medien zum Shitstorm ausgeufert ist: Ist der Reklame-Mohr rassistisch, beleidigend – und damit ein weiteres Symbol für gedankenlosen oder absichtlichen Alltags-Rassismus in Sprache und Symbolik? Oder ist das schlicht völlig unpolitische Haarspalterei und der Mohr von Kindesbeinen freundlich-positiv in unserem Kopf gespeichert? Wie auch immer, es lohnt sich, doch einmal genauer hinzuschauen: Wie harmlos ist der Sarotti-Mohr?

Zur Sache diskutieren:

  • Christoph Dyckerhoff, Ethik-Berater
  • Prof. Dr. Henning Lobin, Direktor Institut für Deutsche Sprache
  • Thorsten Riehle, Geschäftsführer Capitol / Stadtrat MA
  • Peter Verclas, Präsident Marketing-Club Rhein-Neckar
  • Jennifer Yeboah, Leiterin Quartiermanagement MA-Herzogenried

Moderation: Bert Siegelmann