Mosbach: Polizisten lassen Mann nicht auf Toilette – Prozess

Zwei Polizisten müssen sich heute vor dem Landgericht Mosbach verantworten, weil sie einen Mann rechtswidrig gefesselt und nicht auf die Toilette gelassen haben sollen. Angeklagt sind die beiden wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung im Amt und der Verfolgung Unschuldiger. Die Beamten – heute 40 und 50 Jahre alt – hatten demnach im März 2014 einen Autofahrer gestoppt, weil zu schnell gefahren war. Dabei soll er sogar die Polizisten überholt haben, die in einem zivilen Dienstfahrzeug unterwegs waren. Bei der Fahrzeugkontrolle vor dem Wertheimer Wohnhaus des Autofahrers eskalierte die Lage. Die Polizeibeamten sollen den heute 59 Jahre alten Autofahrer rechtswidrig gefesselt und zu Boden gedrückt haben. Auch verweigerten sie dem Mann laut Anklage, auf die Toilette zu gehen. Dabei soll der Wertheimer zuvor mehrfach um den Toilettengang gebeten haben. Stattdessen hätten die Polizisten ihn zu einem Alkoholtest aufgefordert. „Wider besseren Wissens“, heißt es in der Mitteilung des Landgerichts, hätten die Beamten behauptet, der Autofahrer habe Alkohol getrunken. Beim Versuch der Polizisten, dem Mann Handschellen anzulegen, habe der seinen Stuhlgang nicht mehr halten können. Im weiteren Verlauf sei er gewaltsam zu Boden gedrückt worden. Beim Anlegen der Handschellen soll er Schmerzen und Rötungen an den Handgelenken erlitten haben. Eine danach vorgenommene Kontrolle habe schließlich ergeben, dass der Mann keinen Alkohol getrunken habe. Nach Angaben der Mosbacher Staatsanwaltschaft müssen die Beamten mit dem Verlust ihrer Stellen rechnen, wenn sie aufgrund des nachgewiesenen Fehlverhaltens zu Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr verurteilt werden. Der Behörde zufolge ist heute noch mit dem Urteil zu rechnen.(lsw/mf)