Nibelungen-Festspiele: Nico Hofmann will erneuern

Worms (dpa/lrs) – Wandel bei den Wormser Nibelungen-Festspielen:
Wenn Produzent Nico Hofmann 2015 die Intendanz übernimmt, können sich
die Zuschauer auf ein klassisches Bühnenstück einstellen. Ein
Fantasy-Märchen, wie es sein Vorgänger Dieter Wedel zuletzt
inszenierte, plant Hofmann nicht, sagte er im Interview der Deutschen
Presse-Agentur dpa. Hofmann setzt nicht nur bei Stoff und Autor auf
Erneuerung, er sieht sich auch nach jungen Regisseuren um und will
den Autoren-Nachwuchs fördern: mit einem Wettbewerb.
Frage: In einem Jahr sind Sie Intendant in Worms. Was wird dann
ganz anders sein?
Antwort: Der große Unterschied ist, dass ich die Intendanz
wirklich als Intendanz begreife. Dieter Wedel, den ich sehr schätze,
hat in Personalunion Regie, Buch und Intendanz kreativ gemanagt. Ich
habe das auf mehrere Schultern verteilt. Das beginnt mit der Berufung
von Thomas Schadt als künstlerischem Leiter und der Wahl von Albert
Ostermaier als Autor. Sein Stück liegt jetzt seit einer Woche
komplett vor, es ist ein hervorragender Text geworden, mit dem wir
sehr glücklich sind. Ostermaier bringt Modernität mit, weil er ja
eine ganz andere Generation vertritt.
Frage: Sie haben angekündigt, vor allem qualitative
Festspielakzente setzen zu wollen. Was soll denn besser werden?
Antwort: Man muss gar nicht sagen: besser werden. Mein Versuch
ist, auf Qualität zu setzen. Der erste Schritt war, dass wir auf
Ostermaier zugegangen sind, der ja am deutschen Theatermarkt wirklich
einen Namen hat und schon sehr viel Erfolg hatte. Der nächste Schritt
wird sein, eine erstklassigen Regie zu finden. Ich schiele da
durchaus auch auf junge Regisseure, ich schaue in Berlin, in Mainz.
Und ich will meinen Namen verwenden, um ein erstklassiges Ensemble
nach Worms zu locken.
Frage: Mit welchen Schauspielern wollen Sie zusammenarbeiten?
Antwort: Das hängt natürlich auch davon ab, wer die Regie macht
und wer im Stück in welcher Altersschichtung eine Rolle spielen wird.
Es gibt auch im Fernsehbereich herausragende Bühnendarsteller, ich
nenne mal jemanden wie Mark Waschke, der von der Schaubühne Berlin
kommt. Es gibt viele Schauspieler, die vom Theater kommen, zum Film
wechseln, aber im Theater verwurzelt sind. Mit allen will ich den
Dialog suchen.
Frage: Nochmals zum Stück von Ostermaier: Wird es aktuelle Bezüge
haben? Wedel hatte die Nibelungen zuletzt als Fantasy-Märchen
inszeniert.
Antwort: Als Fantasy-Märchen mache ich es ganz sicher nicht, das
hat Dieter schon getan. Die Vorlage von Albert Ostermaier ist ein
klassisches Bühnenstück, es hat keine modernen Einsprengsel. Aber
wenn man Ostermaier kennt, weiß man, dass er sehr präzise
gesellschaftliche Strömungen, auch den Zeitgeist, analysieren kann.
Also im Grunde genommen ist es ein Stück geworden, wie wir mit Kultur
und Kulturen umgehen. Es ist ein Stoff geworden über Umgangsformen –
wie leben wir miteinander, wie tolerant sind wir miteinander? Es sind
alle großen klassischen Themen der Nibelungen enthalten, aber es hat
keine modernistischen Appercus.
Frage: Sie hatten auch angekündigt den künstlerischen Nachwuchs
fördern zu wollen mit einem Wettbewerb für junge Autoren. Wie soll
das aussehen?
Antwort: Ich habe mich früher schon in der filmischen
Nachwuchsförderung engagiert, und ich habe große Lust, gerade bei den
Nibelungen nach jüngeren Autoren zu suchen. Mich reizt das
unheimlich, was jüngere Generationen in dem Stoff sehen und wie sie
damit umgehen. Das ist der Ansatz, den wir mit dem Wettbewerb jetzt
einschlagen. Thema ist die kritische und gegenwärtige
Auseinandersetzung mit dem Nibelungenstoff, in diesem Fall mit dem
„Streit der Königinnen“.
Frage: Die Nachwuchsautoren schreiben aber nicht für das
Hauptprogramm, sondern für das Begleitprogramm?
Antwort: Dem Preisträger winkt neben 10 000 Euro eine
Uraufführungsoption im Kulturprogramm der Festspiele des
darauffolgenden Jahres. Wir wollen ja das ganze Begleitprogramm neu
aufbauen. Wir wollen eine Verbindung herstellen zwischen dem
Hauptstück und den Nebenreihen, bis hin zur Umsetzung. Mein Traum
wäre, wenn da eine Befruchtung stattfinden kann zwischen der jüngeren
Generation in den Nebenreihen und dem Abendprogramm auf der
Hauptbühne.

ZUR PERSON: Der vielfach ausgezeichnete Produzent Nico Hofmann
(„Unsere Mütter, unsere Väter“) kam in Heidelberg zur Welt (4.
Dezember 1959) und verbrachte seine Kindheit und Jugend in Mannheim,
nur 20 Kilometer von Worms entfernt. Einer Ausbildung zum
Zeitungsredakteur beim „Mannheimer Morgen“ schloss sich ein Studium
an der Staatlichen Hochschule für Fernsehen und Film in München an.
Nach diversen Regiearbeiten verlegte er sich Ende der 90er Jahre auf
die Produktion.