Odenwaldschule: Neue Struktur beschlossen

Die von Krisen erschütterte Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim bekommt eine neue Rechtsform und straffere Strukturen. Die Mitgliederversammlung des bisherigen Trägervereins billigte am Sonntag einstimmig die Umwandlung von einem eingetragenen Verein in eine gemeinnützige GmbH (gGmbH), wie die Schule mitteilte. Alleiniger Gesellschafter ist künftig eine neugegründete Stiftung, der bisherige Trägerverein wird zum Förderverein.

„Wir wollen nicht nur von einem Neuanfang reden, es folgen auch die
notwendigen Taten“, erklärte der Geschäftsführer der neuen gGmbH,
Marcus Halfen-Kieper. „Dazu zählt, dass wir alte Strukturen aufbrechen und mit einem völlig neuen Aufbau auf ein Miteinander setzen und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft der Odenwaldschule setzen.“ Durch die neue Rechtsform sei auch eine Mitwirkung von Vertretern des Opfervereins „Glasbrechen“ möglich, sagte der Koordinator des Runden Tisches, Thomas Köhler.

Vor fünf Jahren waren an der Odenwaldschule lange zurückliegende
sexuelle Übergriffe auf Schüler ans Licht gekommen, mindestens 132
Kinder und Jugendliche wurden Opfer. Im vergangenen Jahr tauchten
neue Missbrauchs-Verdächtigungen auf, die sich zwar nicht bestätigten, die Aufsichtsbehörden aber zum Eingreifen veranlassten. Aufsichtsbehörden müssen dem Neuanfang mit einer Betriebsgenehmigung zustimmen. In wenigen Tagen gibt es einen Termin im hessischen Sozialministerium. „Dabei wird es natürlich auch um die Frage der wirtschaftlichen Situation aktuell und für die Schuljahre 2015/2016 und 2016/2017 gehen“, hatte der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), kürzlich erklärt. Die Zahl der Schüler an der Privatschule ist stark zrückgegangen. Im April wird dann eine Entscheidung über die Genehmigung erwartet. Der Landkreis ist eine Aufsichtsbehörde des Internats. (dpa)