Philologen-Verband: Viele Fünftklässler im Südwesten am Gymnasium versetzungsgefährdet

Stuttgart (dpa/lsw) – Viele Fünftklässler werden es nach Prognose des Philologenverbandes nicht in die sechste Klasse des Gymnasiums schaffen. «Zehn Prozent der Schüler tun sich deutlich schwer und sind versetzungsgefährdet», sagte der Landeschef des Philologenverbandes Bernd Saur der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Das sei eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, als die Wahl der weiterführenden Schule noch nicht freigegeben war.

Grün-Rot hatte erstmals für das Schuljahr 2012/13 die letztendliche Entscheidung in die Hände der Eltern gelegt. Der Anteil der massiv Überforderten entspricht nach Saurs Schätzung denjenigen, denen die Grundschullehrer eigentlich den Besuch der Realschule nahegelegt haben, erläuterte Saur.

Deshalb sei die geplante Streichung der Hausaufgabenbetreuung am Gymnasium zum kommenden Schuljahr eine «Katastrophe». Die bislang für die Organisation der Hausaufgabenbetreuung vorgesehenen rund fünf Wochenstunden soll nach Saurs Worten entfallen. «Damit ist die Hausaufgabenbetreuung gestorben.» Denn die damit befassten Oberstufenschüler müssten koordiniert und eingewiesen werden, außerdem müsse ein Pädagoge Aufsicht führen.

Durch den Einschnitt werde gerade den schwächeren Schülern die Möglichkeit individueller Förderung genommen. «Es ist inkonsequent, wenn sich Grün-Rot die individuelle Förderung auf die Fahnen schreibt, sie aber am Gymnasium abschafft.» Der Gymnasiallehrer aus Ulm resümierte: «Das ist ein politisch motivierter Angriff auf das Gymnasium, das Grün-Rot langfristig in der Einheitsschule aufgehen lassen will.»