Polizei Mannheim: Warnung vor überteuerten Schlüsseldiensten – 19-jährige Mannheimerin wurde mit 1.200 Euro zur Kasse gebeten

In der Neckarstadt ging am Mittwochnachmittag eine 19-jährige Frau einem überteuerten Schlüsselnotdienst auf den Leim. Der Frau war kurz nach 15 Uhr versehentlich die Tür ihrer Wohnung in der Rilkestraße ins Schloss gefallen. Ihren Wohnungsschlüssel hatte sie in den Räumen vergessen. Über ihr Mobiltelefon recherchierte sie daraufhin nach einem Schlüsseldienst in Mannheim. Dabei stieß sie an vorderster Stelle auf einen 24-Stunden-Notdienst mit einer 0800-Nummer. Bei einem Anruf wurde ihr mitgeteilt, dass ein Monteur in kurzer Zeit bei ihr wäre. Die Anfahrt würde mit 20 Euro in Rechnung gestellt, der Rest würde nach Arbeits- und Materialaufwand berechnet.

Nach dessen Eintreffen versuchte der Mitarbeiter des Notdienstes zunächst, die Tür mit einem Plastikwerkzeug zu öffnen, was ihm aber misslang. Daher bohrte er das Schloss heraus und setzte ein neues ein. Hierfür berechnete er der jungen Frau anschließend rund 1.200 Euro. Da diese als Studentin nicht viel Geld zur Verfügung hat, gewährte er ihr einen Studentenrabatt und verlangte „nur noch“ 900 Euro. Diesen Betrag musste die junge Frau sofort begleichen.

Erst als ihr der Betrag zur teuer erschien, erstattete die Frau Anzeige bei der Polizei. Gegen die Firma, die in der Vergangenheit in der Region bereits einschlägig mit Rechnungsbeträgen von bis zu 2.400 Euro in Erscheinung getreten ist, wird nun wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Wuchers und des Betrugs ermittelt.

Aus gegebenem Anlass weist die Polizei ausdrücklich auf folgendes hin:

– zunächst gilt: bitte vorausschauend handeln!
– die Hinterlegung eines Zweitschlüssels bei einem Nachbarn oder
bei Verwandten/Bekannten kann sinnvoll sein.
– am besten auch für den Fall der Fälle einen seriösen,
ortsansässigen Schlüsseldienst aussuchen und sich dessen
Erreichbarkeit im Handy speichern.

Sollte man einen Schlüsseldienst benötigen:

– Kühlen Kopf bewahren und nicht sofort den erstbesten Anbieter
aus dem Branchenbuch oder der Telefonvermittlung anrufen. Zum
Teil wird auch nur suggeriert, dass der Schlüsseldienst aus der
Umgebung sei. Vorsicht ist geboten bei Firmen, die sich mit
„AAA“ in die ersten Zeilen der Branchenbücher eintragen lassen.
– ortsansässige Firmen bevorzugen, um die Fahrtkosten gering zu
halten.
– den Anbieter fragen, woher der Monteur anfahren wird und
möglichst noch vor der Auftragsvergabe einen Festpreis
vereinbaren.
– genau definieren, was vor Ort gemacht werden soll. Gespräche am
besten unter Zeugen führen.
– nicht unter Druck setzen lassen. Bei Drohungen (z.B. die Tür
wieder zu verschließen) die Polizei unter Notruf 110 rufen und
Nachbarn zu Hilfe bitten.
– nur den Rechnungsbetrag zahlen, der vereinbart wurde. Seriöse
Anbieter stellen grundsätzlich eine Rechnung aus, die später
überwiesen werden kann.
– entsteht der Eindruck, betrogen worden zu sein, wenden Sie sich
an Ihre nächste Polizeidienststelle.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg unterhält einen Nachweis über Errichterfirmen für mechanische Sicherungsreinrichtungen. Die aufgelisteten Firmen sind zertifiziert und werden von den Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen empfohlen. Hier können auch Notdienste erfragt werden.

Siehe auch:
https://praevention.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/20/2017/11/Errichterfirmen_von_mechanischen_Sicherungseinrichtungen.pdf

Ein Faltblatt der Verbraucherzentrale und der Polizei zum Download gibt es hier:
https://praevention.polizei-bw.de/wp-content/uploads/sites/20/2018/08/faltblatt_schluesseldienste.pdf