Region: 2015 ist ein „normales Wespenjahr“

Sie krabbeln über den Pflaumenkuchen, naschen von der Sahne und landen schließlich in der Limonade: Wespen können einem die Lust am Picknick im Freien derzeit ordentlich vergällen. Dabei treibt die Tiere die pure Not zu den Menschen. Durch die langanhaltende Trockenheit werde teilweise das Futter knapp, sagte der Leiter des Landesamts für Bienenkunde, Peter Rosenkranz, der Deutschen Presse-Agentur. Daher schwärmten die Tiere aus und bedienten sich bei den Menschen statt in der freien Natur.

Die teils extreme Hitze setze die Insekten zusätzlich unter Stress, sagte der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) Baden-Württemberg, André Baumann. Die Tiere müssten Tag und Nacht Luft ins Nest fächeln, um die Brut zu kühlen. Viele Arbeiterinnen seien schon aus purer Erschöpfung gestorben. Insbesondere im Oberrheingraben sei die Zahl der Tiere zurückgegangen. Mehr als 35 bis 37 Grad könnten Wespen nicht vertragen, sagte Rosenkranz. Liege ihr Nest an ungünstigen Stellen, etwa direkt unterm Dach, werde es jedoch schnell noch heißer. Dann sterbe im schlimmsten Fall die Brut.

Baumann und Rosenkranz sind sich jedoch einig: 2015 ist ein ganz normales Wespenjahr. Im Sommer habe es oft den Anschein, als gebe es Unmengen von Wespen, sagte Baumann. Das liege daran, dass die Nester langsam ihre volle Größe erreichten und die Tiere ausschwärmten, um die Brut zu versorgen. Für Gartenbesitzer sollte der Anblick der Tiere ein Grund zur Freude sein, denn Wespen schleppten kiloweise Schadinsekten in ihr Nest.

Generell sei 2015 für Wespen ein recht gutes Jahr, sagte Rosenkranz. Im Frühjahr habe es keine Kälteeinbrüche gegeben, die die Gründung von Wespennestern verzögern oder ganz verhindern könnten. Von einer Wespenplage könne aber definitiv nicht die Rede sein. Zwar gebe es mehr Wespen als 2014, aber es seien nicht ungewöhnlich viele. Allerdings nehme die Größe der Nester derzeit noch zu. Erst im August erreichten die Populationen ihren Höchststand – und erst dann könne man Bilanz ziehen.

Hungrige Wespen piesacken übrigens nicht nur Menschen, sondern sorgen auch an ganz anderer Stelle für Ärger. Bienen würden derzeit vom Imker gefüttert, Wespen hätten diesen Luxus nicht, sagte Rosenkranz. «Sie brechen dann manchmal bei den Bienen ein und können dort richtig lästig werden.» (lsw/Bild: Soebe)