Rhein: Binnenschiffer vor weiterem Problemjahr?

Der Rhein hat das extreme Niedrigwasser des vergangenen Jahres noch nicht wieder ausgeglichen, obwohl es im Winter reichlich Niederschläge im Südwesten gab. Der Flussschifffahrt stehe daher möglicherweise ein weiteres schwieriges Jahr bevor, sagte der Leiter der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg, Manfred Bremicker: „Das kann passieren.“
Auch wenn es aktuell etwas regne, sei es nicht so viel, dass man sagen könne, das Defizit sei vergessen. „Es entscheidet sich in den kommenden Wochen bis Monaten, ob das Defizit wieder ausgeglichen wird
oder wir wieder in eine Trockenphase reinlaufen.“ Am Freitag war die Wasserführung des Rheins mit einem Stand von etwa 4,40 Metern am Pegel Maxau (Karlsruhe) noch leicht unterdurchschnittlich – wegen des regnerischen Wetters aber mit steigender Tendenz. Am Ende des Winters sollten etwa 40 Zentimeter mehr Wasser im Fluss sein. „Das ist wirklich nicht dramatisch“, sagte Bremicker.
Für die Binnenschifffahrt machen aber bereits einige Dezimeter einen Unterschied. Ein typisches Rheinschiff taucht je 100 Tonnen Ladung etwa zehn Zentimeter tief ein. Wenn der Pegel 4,40 Meter zeigt, hat die Fahrrinne eine nutzbare Tiefe von rund 2,80 Metern. Ein Rheinschiff von 110 Metern Länge taucht leer 60 bis 80 Zentimeter ein. So bleibt eine Tiefe, die für gut 2000 Tonnen Fracht ausreicht – bei rund 2800 Tonnen maximaler Ladung. Der mittlere Wasserstand des Rheins liegt am Pegel Maxau bei 5,16 Metern.
Große Bedeutung haben nach Bremickers Angaben die Schneemengen dieses Winters in den Alpen: Das macht sich ganz wesentlich bemerkbar.“ Von der Schneeschmelze in den höheren Berglagen werde der
Rheinwasserstand im Sommer deutlich gestützt. Die normalen Niedrigwasserphasen im Rhein seien der Herbst nach dem Ende der Schneeschmelze und der Winter bei anhaltendem Frost. Nach der vorläufigen Winterbilanz des Deutschen Wetterdienstes fielen in Baden-Württemberg von Dezember bis Februar mehr als 250 Liter Regen pro Quadratmeter, gut 11 Prozent mehr als im Durchschnitt.  Allerdings war der Februar mit etwa 25 Litern bereits wieder viel zu trocken. Normal wären 68 Liter gewesen. Im vergangenen Jahr hatte im Februar dauerhafte Trockenheit eingesetzt, die Niederschlagsmenge erreichte bis zum Herbst nur etwa 60 Prozent des Durchschnitts. Am 26.  November war der Wasserstand auf 3,11 Meter und damit den niedrigsten Stand seit 1972 gefallen. (dpa)