Rhein-Neckar Fernsehen GmbH meldet Insolvenz an – Mediengruppe Dr. Haas führt Engagement im linearen Regionalfernsehen nicht fort – Sendebetrieb wird fortgesetzt

Die Rhein-Neckar Fernsehen GmbH (RNF) hat per 25. September 2019 Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Mannheim gestellt. Hintergrund ist die Entscheidung der Mediengruppe Dr. Haas, ihre Bewegtbild-Aktivitäten neu auszurichten und auf ein Engagement im linearen Fernsehen künftig zu verzichten, nachdem sich die wirtschaftlichen Aussichten von RNF entgegen der Erwartungen nochmals deutlich verschlechtert hatten.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Steffen Rauschenbusch, Mannheim, eingesetzt, der Möglichkeiten zur Fortführung und Sanierung des Senders prüft.

“Mit der noch vorhandenen Liquidität können wir im vorläufigen Insolvenzverfahren einen Weiterbetrieb ermöglichen. Wir werden alle Möglichkeiten ausloten, die einen Fortbestand des Programms auch in diesen wirtschaftliche schwierigen Zeiten sichern könnten”, so Rauschenbusch: “Sende- und Geschäftsbetrieb gehen zunächst weiter.”

RNF war erst Anfang 2019 Teil der Mediengruppe Dr. Haas geworden. Sie hatte den Regionalsender nach einer Insolvenz in Eigenverwaltung übernommen und mit erheblichen Finanzmitteln für einen Neustart ausgestattet.

“Unser Team hat die Herausforderungen Anfang des Jahres großartig angenommen mit dem klaren Ziel, für den neuen Gesellschafter einen Mehrwert zu produzieren”, sagt RNF-Geschäftsführer Ralph Kühnl. “Durch die Veränderung von Abläufen innerhalb des Senders ist es uns gelungen, trotz einer um ein Drittel geschrumpften Mannschaft unser Programm attraktiv zu gestalten – zum Teil sogar mit mehr journalistischer Berichterstattung als vor der Insolvenz in Eigenverwaltung.”

Trotz einer nach wie vor stabilen Reichweite bei den Zuschauern – eine eigene Marktforschung ergab 400.000 regelmäßige Zuseher in der Metropolregion Rhein-Neckar – ist es in den vergangenen Monaten in einem konjunkturell bedingt immer schneller schrumpfenden Werbemarkt nicht gelungen, ausreichende Werbebudgets an RNF zu binden, um die Kosten für redaktionelles Personal und Sendebetrieb zu decken.

“Während wir im Segment der Auftragsproduktionen, also bei den Video-Dienstleistungen für Unternehmen und andere Institutionen, sogar ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr verbuchen konnten, sind die Erlöse bei der klassischen Werbung um etwa ein Drittel gegenüber dem schon schwachen Vorjahr zurückgegangen”, erklärt Ralph Kühnl. “Die hoch wertschöpfenden Einnahmen aus der Werbung sind aber der Schlüssel, um ein redaktionelles Programm anbieten zu können. Aus vielen Gesprächen mit den Werbetreibenden in der Region müssen wir schließen, dass sich die in diesem Jahr eingetretene Entwicklung in naher Zukunft nicht zurückdrehen lässt. Damit ist der Weiterführung des redaktionellen Programms in der jetzigen Konstellation die wirtschaftliche Grundlage entzogen.”

Alles in allem stellte die Mediengruppe Dr. Haas 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, um RNF einen Neustart zu ermöglichen.

Die Mediengruppe Dr. Haas will sich künftig Bewegtbild-Angeboten zuwenden, die auf digitalen Verbreitungswegen zeitsouverän gestreamt werden können und perspektivisch neue Formate in den Digitalauftritten von Morgenweb.de, FNweb.de, Headline24 und in sozialen Netzwerken schaffen.

RNF beschäftigt 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehrere studentische Aushilfen.