Rheinland-Pfalz: Feuerwehrleute kämpfen häufig mit psychischen Problemen

Der Beruf des Feuerwehrmanns hat sich verändert. Immer häufiger werden die Retter zu Unfällen und Katastropheneinsätzen gerufen, die Belastung steigt. Gleichzeitig sinkt bei vielen Arbeitgebern die Akzeptanz für die ehrenamtliche Arbeit.

Mainz (dpa/lrs) – Die Feuerwehrmänner und -frauen in Rheinland-Pfalz leiden nach Einschätzung der Unfallkasse immer häufiger unter psychischen Problemen. Bei Unfällen mit Schwerverletzten oder Toten seien die Einsatzkräfte oft enormen seelischen und emotionalen Belastungen ausgesetzt, sagte Klaudia Engels, Abteilungsleiterin Rehabilitation und Entschädigung der Unfallkasse Rheinland-Pfalz in Koblenz. «Manch einer hat Probleme, dies zu verarbeiten.» Genaue Zahlen zu psychischen Erkrankungen könne sie aber nicht nennen.

Die Feuerwehr in LUDWIGSHAFEN bestätigt diese Entwicklung. In den vergangenen sechs Jahren habe es vier Fälle von schweren psychischen Beeinträchtigungen nach Einsätzen gegeben, sagte der Leiter der Berufsfeuerwehr, Peter Friedrich. Zurzeit befänden sich zwei Einsatzkräfte in psychologischer Behandlung.

Katastrophen wie die Explosion eines Gastanks in Harthausen im vergangenen Herbst gehen laut Friedrich nicht spurlos an den Einsatzkräften vorüber. Die beteiligten ehrenamtlichen Feuerwehrleute würden bis heute psychologisch betreut. Insgesamt würden psychische Probleme heute seltener verdrängt als früher. Berufsanfänger werden demnach gezielt geschult, Symptome zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.

Die psychische und körperliche Belastung bei der Arbeit sei «schon sehr hoch», sagt auch der Leiter der Berufsfeuerwehr in TRIER, Herbert Albers-Hain. Er könne jedoch nicht feststellen, dass psychische Auffälligkeiten in seinem Team zugenommen hätten – was möglicherweise auch daran liege, dass «seine» Mitarbeiter seit jeher für schwere Einsätze verschiedenster Art bei Brandschutz und Rettungsdienst trainiert würden.

Nach Meinung von Frank Hachemer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, hängt die Zunahme psychischer Probleme mit den veränderten Aufgaben der Feuerwehren zusammen. «Die Brandbekämpfung ist heute nur noch ein Aspekt von vielen.» In den 1980er Jahren sei die Feuerwehr noch in acht von zehn Fällen ausgerückt, um Brände zu löschen. Heute sei dies nicht einmal mehr bei jedem zweiten Alarm der Fall: «Die Rettungskräfte kommen immer häufiger bei Stürmen, Unwettern oder Verkehrsunfällen zum Einsatz.»

Insgesamt verletzten sich im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz 796 Feuerwehrleute im Einsatz. Laut Unfallkasse handelte es sich dabei in 366 Fällen um leichte Verletzungen wie Prellungen oder Schnittwunden. 430 Rettungskräfte trugen mittelschwere und schwere Verletzungen wie Brüche, Verbrennungen, schwere Kopfverletzungen oder Rauchvergiftungen davon.

Die Zahl der Unfälle und die damit verbundenen Ausgaben fallen laut Unfallkasse von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich aus. So lag die Zahl der Verletzungen im Jahr 2004 bei 715, zwei Jahre später bei 916. Die relativ geringe Unfallzahl von 2013 wiederum verursachte Kosten von rund 2,3 Millionen Euro – das sind 14 Prozent mehr als im Durchschnitt. Ein Grund dafür war die Gasexplosion in Harthausen im September, bei der auf einen Schlag 17 Feuerwehrleute zum Teil schwer verletzt wurden.

Bei den Freiwilligen Feuerwehren sieht Hachemer einen Trend im sinkenden Verständnis vieler Arbeitgeber für die ehrenamtliche Tätigkeit ihrer Angestellten. «Das ist schlimmer geworden. Hier müssen wir wieder für mehr Verständnis werben.» Immer wieder gebe es für Arbeitnehmer Probleme, wenn sie während der Arbeitszeit zu einem Einsatz gerufen würden. «Da wird auch Druck ausgeübt«, sagte Hachemer.

Joachim Ganz, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in ALZEY, bestätigt diesen Eindruck. Neben dem zunehmenden Unverständnis vieler Arbeitgeber trage auch der anhaltende Personalschwund zu einer Mehrbelastung der Feuerwehrleute bei.

Den wachsenden Konflikt zwischen Arbeitsplatz und Ehrenamt beobachtet auch Hans Peter Stoffel, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in INGELHEIM. Immer häufiger gerieten seine Leute in den Zwiespalt, sich für das eine oder für das andere entscheiden zu müssen. «Der Druck auf die Feuerwehrmänner ist gigantisch», sagte Stoffel.

Insgesamt halten 55 150 Freiwillige den Betrieb der 2263 rheinland-pfälzischen Wehren aufrecht, 7,5 Prozent von ihnen sind Frauen. Im Jugendbereich liegt der Anteil weiblicher Feuerwehrleute nach Auskunft des Landesfeuerwehrverbandes bei rund 40 Prozent.

Eine Zunahme von psychischen Erkrankungen bei der MAINZER Berufsfeuerwehr könne er nicht erkennen, sagte ein Sprecher. Die Beobachtungen der Unfallkasse führte er darauf zurück, dass dort viele freiwillige Feuerwehrleute versichert seien. Allerdings seien psychische Belastungen auch auf der Wache in Mainz ein Thema. Bei Problemen stünden eine Feuerwehrpfarrerin und ein externes Kriseninterventionsteam bereit. // Archivbild: RNF