Rheinland-Pfalz: Kommunale Freibäder – Saisonstart mit Finanz- und Wettersorgen

Selten volle Becken, veraltete Anlagen, hohe Personalkosten – mit diesen Problemen haben immer mehr kommunale Freibäder in Rheinland-Pfalz zu kämpfen. Das bestätigt auch der Sprecher des Innenministeriums, Christoph Gehring, in Mainz. Schwimmbäder gehörten zu den freiwilligen Leistungen der Städte und Gemeinden. Angesichts deren hoher Verschuldung könnten die Betriebskosten für die Bäder zur Gefahr werden. Insgesamt gebe es landesweit 220 Freibäder. Wie viele von der Schließung bedroht sind, ist nach Angaben des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz bisher nicht erfasst worden. Dem Ministerium sind nach eigenen Angaben mehrere Einzelfälle bekannt wie beispielsweise in BAD MÜNSTER AM STEIN EBERNBURG. Dort droht das Freibad im Sommer geschlossen zu bleiben. Bereits 2013 musste der Stadtrat wegen der Teilnahme am kommunalen Entschuldungsfonds beschließen, das Bad nicht weiter zulasten des städtischen Haushaltes zu betreiben, teilte Stadtbürgermeisterin Anna Roeren-Bergs mit. Die Einrichtung mache jährliche Verluste von rund 160 000 Euro. Eine Bürgerinitiative plant das Freibad nun mit einer privaten Bad-Genossenschaft weiter zu betreiben. Der Nutzungsvertrag sei aber noch nicht ausgehandelt, sagte der Vorsitzende der Initiative, Joachim Christmann. Laut Innenministerium steht Bad Münster exemplarisch für die Lage mehrerer kommunaler Freibäder. Ähnliche Probleme gebe es beispielsweise in Adenau (Kreis Ahrweiler), wo die Stadt das Freibad bereits habe schließen müssen. Bürger in Unkel (Kreis Neuwied) versuchten ebenfalls mit einer privaten Initiative ihr Bad zu retten. Für die notwendige Sanierung alter Einrichtungen fehlt nach Angaben des Städtetages Rheinland-Pfalz in vielen verschuldeten Städten das Geld. Die Sportförderung des Landes könne dies nicht auffangen. Das Innenministerium selbst vergibt Zuschüsse ausschließlich für Investitionen in Freibäder – und dies im Moment nur nach besonderer Prüfung. „Wir denken da immer an die Betriebskosten der Bäder, die von den Kommunen alleine getragen werden müssen. Auch ein hochmodernes Freibad bietet nicht die Gewähr, dass die Einnahmen die Kosten decken“, sagte Gehring. Zu kämpfen hätten die Bäder neben hohen Personalkosten mit generell sinkenden Gästezahlen. Grund dafür seien die demografische Entwicklung und ein verändertes Freizeitverhalten der Menschen, gerade bei den Jüngeren. Hinzu komme die extreme Wetterabhängigkeit. Beispielsweise KOBLENZ musste den Saisonstart wegen des kühlen Wetters verschieben. Das Freibad Oberwerth habe seine Pforten noch nicht geöffnet, wie Bäderbetriebsleiter Lothar Zehe sagte. Angepeilt gewesen sei der 2. Mai als Eröffnungstermin, doch es sei schlichtweg zu kalt für das mit einer Solarheizung ausgestattete Bad. Die Temperaturen müssten tagsüber über 20 und nachts über zehn Grad liegen. „Wir rüsten uns jedes Jahr für Anfang Mai und schauen dann kurzfristig auf das Wetter“, sagte Zehe. Im einzigen kommunalen Freibad in LUDWIGSHAFEN – dem Freibad am Willersinnweiher – laufen derzeit noch die Sanierungsarbeiten. Das 1976 eröffnete Bad bekomme ein neues Sportbecken, berichtete Sandra Hartmann von der städtischen Pressestelle. Geplant sei der Saisonstart am 17. Mai. Zu der rund 6,7 Millionen Euro teuren Sanierung gehöre eine „Beach-Eventfläche“ für Volleyballer und eine Art Strand-Promenade am nahen Willersinnweiher. Wegen der schwierigen Haushaltslage werde in mehreren Abschnitten saniert, denn wie in anderen Kommunen auch sei das Bad zuschussbedürftig. Betrieb und  Instandhaltung könnten nicht über die Eintrittspreise gedeckt werden. Und natürlich sei die Saisonbilanz immer vom Wetter abhängig.Das gilt auch für das Freibad Nord in TRIER. Allerdings wurde hier im Gegensatz zu anderen Landesteilen in diesem Jahr ein Frühstart hingelegt. Bereits am 21. April waren die Becken geöffnet, sagte Schwimmmeister Jochen Knob. Normalerweise geht das Nordbad um den 1. Mai an den Start. Grund seien die seinerzeit milden Temperaturen, aber vor allem die Osterferien gewesen. „Wir wollten Kindern die Möglichkeit geben, in den Ferien schwimmen zu gehen.“ Das Bad ist beheizt und hat eine Wassertemperatur von 24 Grad. An einigen Tagen seien bereits knapp 300 Schwimmer im Wasser gewesen. „Jetzt muss nur noch das gute Wetter wieder kommen“, sagte Knob. (dpa/lrs)