Rheinland-Pfalz: Landwirte hoffen auf Frost – wenig Schäden durch Hochwasser

Die Landwirte in Rheinland-Pfalz hoffen auf Frost, damit sie im Frühjahr die Felder leichter bestellen können.
Gefriere das Wasser im Boden, dehne es sich aus und lockere die Erde auf, erklärte Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd in Mainz. „Gibt es keinen Frost, muss der Boden stärker bearbeitet werden.“ Auch Schädlinge gibt es nach einem milden Winter erfahrungsgemäß in größerer Zahl.
In diesem Winter gab es in weiten Teilen des mit Äckern bestellten Landes bisher nur Anfang Dezember ein oder zwei Frostnächte. Auch dabei sanken die Temperaturen zumeist gerade so unter den Gefrierpunkt. Im Winter 2016/2017 hingegen gab es flächendeckend zweistellige Minusgrade, so dass der Frost tief in den Boden eindrang. „Das hat uns Arbeit und Zeit erspart“, sagte Köhr. Noch nicht abzuschätzen sind die Auswirkungen des bislang milden
Wetters auf das Wintergetreide. Das bereits im Herbst ausgesäte Getreide braucht Kältereize, um Blüten zu bilden und in das Längenwachstum überzugehen. „Kältetechnisch befinden wir uns auf der Kante“, sagte Herbert Netter vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. Wenn kein Frost mehr komme, könnte den Pflanzen der
Kältereiz zum Wachsen fehlen. Dann müssten die betroffenen Bauern alles unterpflügen und neu aussäen. „Das ist ärgerlich und kostet Arbeit und Saatgut – aber es ist möglich.“ Die beiden Hochwasserwellen haben nach Angaben der beiden rheinland-pfälzischen Verbände bislang nur geringe Schäden angerichtet. „Jetzt ist ohnehin Vegetationsruhe“, sagte Roland Bellaire, Vorsitzender des Kreisverbandes Germersheim des Bauern- und Winzerverbandes. Bellaire pflanzt Weizen und Raps in einem Polder am Rhein, der nun zum zweiten Mal vollgelaufen ist. „Es ist noch nicht
klar, was das für Auswirkungen das haben wird.“ Noch sei kein Schaden sichtbar.
Auch der viele Regen ist laut Köhr derzeit noch kein großes Problem. Nur wenn sich die Regenperiode noch über Wochen erstrecke und in die Zeit der Bestellung der Äcker hineinziehen würde, wirke sich das aus.
„Wir haben derzeit einen der wenigen Winter in Rheinland-Pfalz, in dem die Wasserreservoirs im Boden aufgefüllt werden. Sonst sind wir im Frühjahr oft mit einem Wasserdefizit gestartet.“ Netter und Köhr hoffen, dass noch eine Kälteperiode kommt – aber nicht zu spät. „Die Pflanzen sind darauf eingestellt, dass es im Winter kalt ist, im Frühjahr wärmer und im Sommer warm, so wie wir es über Jahrtausende hatten“, sagte Netter. Wenn die Triebe und Blüten
der Obstbäume und Weinreben wie im vergangenen Jahr zu früh kämen, könnten sie erneut erfrieren. „Das wäre eine echte Katastrophe, so zweimal hintereinander.“(dpa/rcs)