Rheinland-Pfalz: Schulen bleiben im Januar weitgehend im Fernunterricht

Mehr als 407 000 Kinder und Jugendliche an den allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz müssen in der nächsten Zeit weiter auf das Lernen in der Klassengemeinschaft verzichten. Der bislang bis 15. Januar vorgesehene Fernunterricht wird bis zum 22. Januar verlängert, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch mitteilte. Bei besonderem Betreuungsbedarf bleiben Kitas und Schulen weiter geöffnet.

Sobald die Infektionszahlen nach unten gehen und belastbarer sind als jetzt, sollen die Schulen in der letzten Januarwoche für die Klassenstufen 1 bis 6 in den Wechselunterricht übergehen. Die Lerninhalte werden dann abwechselnd daheim und in der Schule vermittelt. Die Präsenzpflicht für die Schülerinnen und Schüler soll weiter aufgehoben bleiben.

Für die Abschlussklassen gibt es ab 15. Januar eine Sonderregelung mit dem Ziel, sie in geteilten Gruppen mit Abstandsregeln in der Schule zu unterrichten. Auch Auszubildende sollen vor ihren Abschlussarbeiten häufiger in die Schule kommen können. Dabei solle der jeweiligen Schulgemeinschaft vor Ort auch eine gewisse Gestaltungsfreiheit gegeben werden, sagte Hubig.

Im Februar sei dann angestrebt, sich je nach Infektionsgeschehen nach dem Stufenplan der Kultusministerkonferenz (KMK) zu richten und für die ersten sechs Klassenstufen den Präsenzunterricht zu ermöglichen, sagte Hubig. Dies soll auch in den Abschlussklassen möglich sein, während alle anderen abwechselnd daheim und in der Schule unterrichtet werden. «Die nächste Stufe, die wir hoffentlich bald erreichen werden, ist der volle Präsenzunterricht.» Angesichts der ungewissen Entwicklung der Infektionslage sei es nicht anders möglich als «ein Stück weit auf Sicht zu fahren».

«Wir haben eine Situation, die uns allen enorm viel abverlangt», sagte die Ministerin. Die Kindertagesstätten bleiben weiterhin für die Jungen und Mädchen offen, deren Eltern keine Betreung sicherstellen können. Auch Kinder mit einem besonderen Unterstützungsbedarf sollen weiter in die Kita gehen können. Hubig appellierte an die Arbeitgeber, ihren Beschäftigten bei der häuslichen Betreuung von Kindern entgegenzukommen.

Auch die Schulen sollen für die Betreuung jener Schülerinnen und Schüler der ersten sieben Klassen geöffnet bleiben, die darauf angewiesen sind. Diese Möglichkeit stehe auch Schülerinnen und Schülern offen, für die es daheim etwa wegen beengter Wohnverhältnisse kein gutes Lernumfeld gebe, sagte Hubig.

Im Fernunterricht habe es trotz aller Vorbereitungen «etwas geruckelt», sagte Hubig mit Blick auf die Computerangriffe gegen die Lernplattform Moodle, zu denen das Landeskriminalamt Ermittlungen aufgenommen hat. Die Direktorin des Pädagogischen Landesinstituts, Birgit Pikowsky, sprach von zeitweise mehr als 10 000 Anfragen je Sekunde, die das Web-System lahmgelegt hätten. Es werde alles getan, um Moodle wieder zu stabilisieren. Gleichwohl sei «Fernunterricht mehr als eine Videokonferenz und mehr als eine Lernplattform», es gehe um die sinnvolle Verbindung aller verfügbaren Werkzeuge.

Die integrierte Lernplattform Schulcampus Rheinland-Pfalz solle so schnell wie möglich an allen Schulen eingerichtet werden, sagte Pikowsky. Einzelne Teile wie die digitale Lehrplan-Umgebung Curriculum stünden schon jetzt allen Schulen zur Verfügung.

Der Kinder- und Jugendmediziner Fred Zepp von der Universitätsmedizin Mainz bekräftigte am Mittwoch, «dass Kitas und Schulen ganz sicher nicht die Treiber der Pandemie sind». Kinder und Jugendliche seien zwar auch am Infektionsgeschehen beteiligt, erkrankten aber seltener und weniger schwer als Erwachsene. Der Mainzer Virologe Bodo Plachter sagte, mit der in Südengland verstärkt aufgetretenen Virus-Mutante gebe es ein neues Infektionsgeschehen, das besonders beachtet werden müsse. Diese Mutante habe den vorherigen Stamm zwar zumindest teilweise verdrängt. Es gebe aber keine Hinweise, dass damit eine verstärkte Krankheitslast verbunden sei.