Rheinland-Pfalz: Zu wenig Lehrlinge

Das Ausbildungsjahr 2014/2015 steht vor der Tür – aber es fehlen immer mehr Lehrlinge in Rheinland-Pfalz. Eine Umfrage
der Nachrichtenagentur dpa ergab, dass das Problem offener Stellen und zurückgehender Ausbildungsverträge größer wird. Nur in wenigen,
besonders gefragten Berufen gibt es mehr Bewerber als Stellen. Zum 31. Juli waren im Land 7228 Ausbildungsstellen unbesetzt, das
waren 9,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben der Sprecherin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Eva Schmidt,
klagt vor allem die Gastronomie über weniger Interessenten. Auf rund 350 freie Ausbildungsstellen zum Koch kämen nur etwa 100 Bewerber.
Vor allem kleine und mittelgroße Betriebe hätten Probleme.
Ende Juli zählte die Bundesagentur für Arbeit 27 368 Lehrlinge in Rheinland-Pfalz mit Ausbildungsverträgen. Im Vergleich zu 2013 ist das ein Rückgang um 1300 Verträge. 2007 waren es noch etwa 31 800 gewesen. „Hinzu kommt ein Akademisierungstrend“, sagte Schmidt. „2013
gab es zum ersten Mal weniger duale Ausbildungsverträge als Hochschul-Immatrikulierungen.“ Die Jugendlichen geben außerdem häufig sehr ähnliche Berufswünsche an: 58 Prozent der weiblichen und 40 Prozent der männlichen Bewerber konzentrierten sich auf zehn Ausbildungsberufe. Junge Frauen bewerben sich vor allem auf Ausbildungsstellen als Verkäuferin, medizinische Fachangestellte und Bürokauffrau, junge Männer als Kfz-Mechatroniker, Verkäufer oder Industriemechaniker. „Die Chancen auf eine den eigenen Begabungen und Neigungen entsprechende Lehrstelle sind in diesem Jahr so gut wie nie zuvor“, sagte Günther Behr, Geschäftsführer der Handwerkskammer TRIER. Seine Kammer bietet online derzeit über 700 offene Ausbildungsplätze an. „Das breite Spektrum an Berufen unterstreicht, dass die Auswahl riesig ist und ein Nachwuchsmangel keineswegs nur in den vermeintlich weniger attraktiven Berufen herrscht.“ Bisher seien sieben Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum. Immer mehr junge Menschen strebten höhere Bildungswege statt einer Ausbildung an.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz in Ludwigshafen gab es Ende Juli 4245 neue Ausbildungsverhältnisse – 2,2 Prozent weniger
als im Vorjahr. „Ich gehe davon aus, dass wir auch am Ende des Jahres einen leichten Rückgang haben werden“, sagte Michael Böffel, Leiter
für Ausbildung der IHK Pfalz. „Wir haben keine Branche, wo wir überrannt werden.“ Betriebe fänden immer öfter keine geeigneten Bewerber, so dass Stellen vorerst unbesetzt blieben. Böffel spricht ebenfalls von einer Akademisierung.

Diese Entwicklung beobachtet auch Rita Petry, Leiterin Berufsbildung der Handwerkskammer (HWK) Pfalz in Kaiserslautern. „Lehrstellen
bleiben unbesetzt, da viele Jugendliche sich für weiterführende Schulen oder gar für ein Studium entscheiden.“ In der Pfalz gebe es weniger neu eingetragene Lehrstellen, momentan umfasst die Ausbildungsbörse der HWK 404 Einträge. Besonders Betriebe im Sanitär-, Elektro- und Nahrungsmittelbereich haben nach Einschätzung von Petry Probleme, qualifizierte Azubis zu finden. In anderen Branchen sieht es etwas besser aus, zum Beispiel bei Kfz-Mechatronikern oder in Büroberufen. (dpa/lrs/wg)