RNL: „Der Beckenbauer des Handballs“: Löwen-Gegner adelt Andy Schmid

Nach dem Erfolg in Kristianstad sind die Rhein-Neckar Löwen in der Champions League vorzeitig ins Achtelfinale eingezogen. Der Gruppensieg ist möglich – dank eines überragenden Torhüters, eines treffsicheren Kreisläufers und eines erneut genialen Spielmachers.Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen war stolz auf seine Mannschaft – und das nicht ohne Grund. Denn das stark geschwächte Aufgebot der Rhein-Neckar Löwen zeigte bei IFK Kristianstad in der Champions League einen großen Kampf. Eine absolute Energieleistung, die mit einem 31:29 (15:16) belohnt wurde. Entsprechend groß war nach dem Schlusspfiff die Erleichterung beim deutschen Meister, vor allem bei Torwart Mikael Appelgren. „Ich bin glücklich, dass uns die Revanche gelungen ist“, sagte der Schlussmann und hatte dabei die vergangene Saison im Blick. Damals unterlag der Handball-Bundesligist nach einer desolaten Vorstellung mit 29:32 beim schwedischen Champion. Diesmal ließ sich der deutsche Titelträger nicht überrumpeln, qualifizierte sich vorzeitig für das Achtelfinale und rückte nach dem Patzer von Titelverteidiger KS Vive Tauron Kielce bei RK Celje auf den zweiten Platz vor.  Während Flensburg und Kiel Vierter und Fünfter in ihrer Gruppe sind, ist für die Löwen mit nur einem Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Vardar Skopje sogar noch der Gruppensieg drin. Voraussetzung dafür sind aber wohl drei Siege in den Partien gegen Meshkov Brest und Pick Szeged sowie bei RK Celje. Außerdem brauchen die Löwen Schützenhilfe. „Wir haben auf jeden Fall das Potenzial, alle Begegnungen zu gewinnen. Aber wir wissen auch, dass wir dafür sehr viel investieren müssen“, sagte Appelgren, der in Kristianstad zu einem entscheidenden Faktor wurde. Nach 39 Minuten kam er für Andreas Palicka ins Spiel, anschließend wehrte er fast 50 Prozent der Würfe auf sein Tor ab. „Ich bin glücklich, dass ich reingekommen bin und ein paar wichtige Bälle gehalten habe“, untertrieb der Stammkeeper, der eine Weltklasse-Leistung zeigte. Seine Paraden sorgten zusammen mit der Umstellung auf eine offensive Abwehr für die Wende. Im Angriff war auf Spielmacher Andy Schmid und Rafael Baena Verlass. Der spanische Kreisläufer wurde vom genialen Regisseur immer wieder in Szene gesetzt und war mit acht Treffern bester Löwen-Torschütze. Kristianstads Trainer Ola Lindgren sah in Schmid und den zauberhaften Anspielen des fast schon traditionell überragend auftretenden Schweizers den Unterschied zwischen beiden Teams und adelte den Mittelmann: „Andy Schmid ist der Franz Beckenbauer des Handballs. Er spielt so elegant und findet immer eine Lösung. Es macht unheimlich Spaß, ihn spielen zu sehen. Da müsste man eigentlich applaudieren.“ Schon am Mittwoch sind die Löwen wieder in der Champions League gefordert. Dann geht es gegen den weißrussischen Meister Brest. Die Personallage wird sich bis dahin allerdings kaum oder gar nicht entspannen. In Kristianstad fehlten Kim Ekdahl du Rietz (Bänderverletzung im Sprunggelenk), Dejan Manaskov (Muskelfaserriss), Marius Steinhauser (Oberschenkelprobleme) und Michel Abt (Knorpelschaden). Winter-Neuzugang Filip Taleski ist in der Königsklasse nicht spielberechtigt. Auf der halblinken Position war deshalb Mads Mensah Larsen als Alleinunterhalter gefragt. „Er hat in der entscheidenden Phase Verantwortung übernommen und wichtige Tore erzielt“, lobte Trainer Jacobsen und ergänzte: „Ich bin sehr froh, dass wir Filip Taleski bereits in der Winterpause geholt haben. Er wird nach Kims Ausfall sicher schnell seine Spielanteile bekommen.“ Gegen Brest am Mittwoch muss der Mazedonier aber erneut zuschauen. (dpa)