Schifferstadt: Kein Saumagenorden wegen Corona – „Virtuelle Verleihung nie erwogen“

Absage statt Jubiläum: Anfang 2021 sollte der Pfälzer Saumagenorden zum 30. Mal verliehen werden. Moderator Frank Elstner hat ihn, ebenso etwa Fußballer Stefan Kuntz und TV-Koch Horst Lichter. Diesmal fällt die traditionelle Ehrung aber der Pandemie zum Opfer. Er gilt als eine der ungewöhnlichsten Ehrungen in Rheinland-Pfalz: Die Verleihung des Saumagenorden muss erstmals seit fast 30 Jahren coronabedingt ausfallen. „Aus Gründen, die jedem
vernünftig denkenden Menschen klar sein müssten, haben wir unsere Mitglieder und unsere ehemaligen Ordensträger informiert, dass alles ausfallen wird“, sagte die Sprecherin der Karneval- und Tanzsport-Gesellschaft „Schlotte“, Marlein Bittner. Der Saumagenorden – eine aus Rosenquarz geformte Nachbildung des Pfälzer Nationalgerichts – wird alljährlich zu Jahresbeginn in Schifferstadt verliehen. 2020 wurde Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) geehrt.

Eine virtuelle Verleihung haben die Organisatoren zu keiner Zeit in Erwägung gezogen, wie Bittner sagte. „Unsere Verleihung lebt davon, dass es sich um eine kleine, fast familiäre Veranstaltung handelt. Im relativ kleinen und gemütlichen Kreis trifft und unterhält man sich – das ist unser besonderes Anliegen.“ Mit einer virtuellen Verleihung bloß deshalb, dass die Reihe ohne Pause fortgeführt werde, wäre das aus Sicht von Bittner auf keinen Fall zu erreichen. „Da hätten wir den Orden dem Preisträger ja mit der Post zuschicken müssen.“ Die „Schlotte“ ehrt mit dem Preis einen Menschen, der aus ihrer Sicht Besonderes geleistet hat. Erster Träger war 1992 der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (1930-2017), der den Saumagen – seine Leibspeise – international bekannt machte. Die Spezialität besteht unter anderem aus Schweinebrät und Kartoffeln. Rund 740 Gramm wiegt die undotierte Auszeichnung. Frühere Empfänger waren etwa Musikproduzent Ralph Siegel oder „Mutter Beimer“-Darstellerin Marie-Luise Marjan. „Die anstehende 30. Verleihung ist zwar eine runde Zahl, aber für uns Karnevalisten ist eigentlich die 33, also 3 mal 11, ein besonderes Jubiläum“, sagte Bittner augenzwinkernd. Nun gehe der Blick auf die Kampagne 2021/2022. „Falls es klappt, kommt die 30 eben dann an die Reihe. Das würde nach dieser Durststrecke sicher besonders schön.“  (cag/dpa)