Speyer: Bischof predigt im Dom

Angesichts von Flüchtlingselend und Terror hat der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Europäer zur gemeinsamen Hilfe für Länder in Not aufgerufen. Schon 1950 habe Robert Schuman – einer der Gründungsväter des neuen Europa – die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf dem afrikanischen Erdteil als eine der wesentlichsten Aufgaben Europas bezeichnet, hieß es im Text zu Wiesemanns Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag im Dom zu Speyer. Das sei aber nie wirklich eingelöst worden, was sich jetzt räche. „Europa war und ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt“, kritisierte der Bischof laut Redetext. „Ich bin davon überzeugt, dass es in der Geschichte noch nie so wichtig war, dass Europa sich seiner gemeinsamen Verantwortung in der Welt und für die Welt bewusst wird.“ Ein Zerfall in Nationalismen wäre nur „ein weiteres, folgenschweres Versagen“ – so wie die Welt vor den Gräueln in Aleppo versagt habe. Die Flüchtlingsbewegungen zeigten, dass sich die Lebenswelten der Menschen nicht mehr auseinanderhalten ließen. In diesem Jahr seien noch mehr Menschen im Mittelmeer umgekommen, bis Ende Oktober 3800. Ausbeutung, Korruption und Konflikte hätten viele Menschen ohne Perspektive hinterlassen und Formen von Gewalt und Terror erzeugt, die bewusst Unschuldige treffen sollten wie zuletzt in Berlin. Die gut besuchten Gottesdienste an Heilgabend und am 1. Weihnachts-Feiertag wurde wie angekündigt von verstärkter Polizei-Präsenz begleitet. Es sei alle völlig ruhig geblieben, hieß es. (dpa)