Speyer: Bistum zu Missbrauchsfall – Opfer sollen sich ohne Angst melden

Das Bistum Speyer hat zahlreiche Missbrauchsfälle in den 1960er und 1970er Jahren in einem Kinderheim in der Stadt eingeräumt und Opfer aufgerufen, sich zu melden. «Die Gläubigen im Bistum wie auch die Öffentlichkeit haben ein Anrecht darauf, über diesen Sachverhalt informiert zu werden», sagte ein Sprecher von Bischof Karl-Heinz Wiesemann am Donnerstag. Aktuell richte das Bistum einen Betroffenenbeirat und eine Kommission zur Aufarbeitung ein. Wiesemann ermutige Betroffene, sich ohne Angst bei den unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Bistums zu melden, sagte der Sprecher. Der Bischof sage restlose Aufklärung zu. Der Fall war durch ein Urteil des Sozialgerichts Darmstadt ans Licht gekommen. Dem Bistum zufolge hatte ein heute 63-jähriger Mann, der damals im Kinderheim lebte, einen mittlerweile gestorbenen ranghohen Geistlichen beschuldigt, ihn zwischen 1963 und 1975 mehrfach schwer missbraucht zu haben. Das Gericht sprach ihm im Juni eine Entschädigung zu. Auch das Bistum glaubt, dass der Betroffene als Kind in der Obhut des Heims schweren Missbrauch erlitten hat, und zahlte ihm 15 000 Euro Entschädigung und 10 000 Euro für Therapien. Bischof Wiesemann hatte vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Kirchenzeitung «Der Pilger» gesagt, dass drei Betroffene unabhängig voneinander Vorwürfe gegen den 1998 gestorbenen Geistlichen erhoben hatten. Von Kindern aus dem ehemaligen Heim liegen den unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Bistums demnach vier Missbrauchsmeldungen vor. Zwei der Betroffenen beschuldigen Schwestern aus einem Orden. Seit der Veröffentlichung des Interviews hätten sich drei weitere Personen gemeldet, hieß es. Es handele sich um Menschen, die zwar selbst nicht ehemalige Heimkinder seien, aber Hinweise geben könnten. (dpa/kwi)