Speyer: Neue Kirchenpräsidentin Dorothe Wüst tritt Amt an

Erstmals in der mehr als 200-jährigen Geschichte der Protestantischen Landeskirche steht eine Frau an die Spitze. Die Kirche nennt die Wahl „historisch“. Dorothee Wüst träumt von einer modernen Gemeinschaft ohne Denkverbote – und will anderen Frauen Mut machen. Sie tritt am  kommenden Montag, 1. März, ihren Dienst an.

Die 55-Jährige ist die erste Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche der Pfalz an. Die in Pirmasens geborene Wüst war im September von der Landessynode zur neuen Kirchenpräsidentin und damit zur Nachfolgerin von Christian Schad (63) gewählt worden.
Sie träume von einer Kirche, in der alle an einem Strang ziehen, sagte Wüst der Deutschen Presse-Agentur. „Das heißt für mich,
Einigkeit über dasselbe Ziel zu haben.“ Allerdings müsse über den Weg dorthin diskutiert werden, weil es unterschiedliche Vorstellungen dazu gibt. „Konkret heißt das für mich, dass es Räume geben muss, in denen es keine Denkverbote gibt, dass wir uns auf Prozesse einlassen müssen, deren Ergebnisse nicht bereits feststehen, und dass es dann aber auch Entscheidungen geben wird, die nicht allen gefallen.“

Die neue Kirchenpräsidentin möchte die Ökumene vertiefen. „Gerade in unserer Region bewegen sich die beiden großen Kirchen mit wachsendem Vertrauen und großer Bereitschaft zum Miteinander aufeinander zu. Und das ist gut so.“ Ökumene bedeute für sie aber nicht Gleichmacherei oder die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, betonte Dorothee Wüst. „Sondern in gegenseitiger Achtung der Verschiedenheit nach gemeinsamen Wegen suchen. Und dafür bin ich sehr zu haben.“ Dass sie die erste Frau in diesem Amt sei, habe „offensichtlich eine tiefere Bedeutung, weil ich das sehr oft gefragt werde“, sagte Wüst. „Ich sehe darin ein Zeichen, dass Frauen auf vielen Ebenen unserer Kirche längst selbstverständlich sind, aber nicht in der Leitung. Bis vor wenigen Jahren galt das auch für den Landeskirchenrat in Speyer.“ Wenn sie anderen Frauen Mut mache, sich Führung und Leitung zuzutrauen und „den Finger zu heben“, fände sie das gut.

Wüst war Pfarrerin in Kaiserslautern und Weilerbach sowie Dekanin in Kaiserslautern, bevor sie 2018 zur Oberkirchenrätin gewählt wurde. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter. Die Kirchenpräsidentin hat keine bischöfliche Gewalt – sie vertritt unter anderem die
Landeskirche in der Öffentlichkeit und darf in allen Gemeinden Gottesdienste halten. Ihre Amtszeit dauert sieben Jahre. Nach der
Wahl hatte sie angekündigt, das Gespräch zu suchen: „Wir müssen wieder lernen, an die Hecken und Zäune zu gehen und tatsächlich zu hören, was sich außerhalb unserer kirchlichen Wahrnehmungsblase tut.“ (mho/dpa)