Speyer: Schnakenjäger sehen normales Jahr – Kampf gegen Asiatische Tigermücke

Der Sommer kommt – und damit kommen die Mücken. Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) rechnet derzeit mit einem normalen Jahr. Nach dem Regen in der vergangenen Woche seien die Wasserstände zwar angestiegen. Die Brutstätten der Tiere, die ihre Eier im Boden der Rheinauen ablegen, seien aber trotzdem weiterhin trocken. „Ohne Hochwasser keine Einsätze“, sagte Kabs-Direktor Dirk Reichle in Speyer. „Das kann sich allerdings sehr schnell ändern.“ Mit Hochwasser ist gemeint, dass die Areale überschwemmt werden, in denen die Eier sich befinden. Erst dann schlüpfen und entwickeln sich Larven. In diesem Zeitraum – je nach Außentemperatur wenige Tage bis zwei Wochen – können sie mit einem biologischen Mittel abgetötet werden. Es wird versprüht oder als Granulat ausgebracht. Rund 90 Prozent der Population werden so Jahr für Jahr getötet. Im vergangenen Jahr gelang dies nicht ganz: Weil die beiden Hubschrauber der Kabs defekt waren, war der Kampf gegen die Mücken erschwert. Unterdessen verstärkt Ludwigshafen den Kampf gegen die vermutlich aus Südeuropa eingeschleppte Asiatische Tigermücke, die gefährliche Krankheiten übertragen kann. „Corona-Viren werden von Stechmücken nicht übertragen. Allerdings wird die Entwicklung der Mücke durch die Klimaextreme begünstigt – zum Beispiel durch hohe Temperaturen“, teilte die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz mit. Im Gegensatz zur Rheinschnake, die im Wesentlichen in Überschwemmungsgebieten vorkommt, bevorzugt die Tigermücke meist künstliche Wasserbehältnisse als Brutstätte. „Infrage kommen etwa Regentonnen, Gießkannen, ungenutzte Vasen oder verstopfte Regenrinnen“, sagte Experte Norbert Becker. In erster Linie gehe es um das Vermeiden unnötiger Wasseransammlungen. „Hier ist die Mithilfe der Bevölkerung notwendig.“ Daher bitten die Stadt und das Gesundheitsamt die Bürger um Unterstützung beim Kampf gegen die Blutsauger vor allem im Neubaugebiet Melm. Die dortigen Haushalte werden mit einem Faltblatt und einer Packung Bti-Tabletten zur Behandlung möglicher Brutstätten versorgt. Die Tabletten enthalten einen Eiweißstoff, der gezielt Mückenlarven tötet und für Menschen, Pflanzen und andere Tiere außer Mücken unbedenklich ist. Das Wasser könne weiter verwendet werden. Der Kampf gegen das fliegende Sicherheitsrisiko ruht auf drei Säulen. „Erstens auf der Beteiligung der Bürger, dazu verteilen wir zum Beispiel Flugblätter. Zweitens behandeln wir sie mit dem Wirkstoff Bti. Und drittens greifen wir zur sogenannten SIT-Technik, bei der wir sterilisierte Männchen einsetzen – diese können sich zwar paaren, das führt aber nicht zu Nachwuchs“, betonte Becker. Die Tigermücke wurde in Deutschland erstmals 2014 bei Freiburg entdeckt. Sie wurde wohl aus Italien eingeschleppt. Die Experten werten dies als Folge des Klimawandels. Von Bedeutung in der Region sind neben der Asiatischen Tigermücke auch Rhein- und Hausschnake. (dpa/lrs/asc)