Speyer: Weltrekord-Polonaise!

Speyer (dpa/lrs/wg) – „Das ist unser Weltrekord“, tönt es aus den Lautsprecherboxen. „Weil wir Speyerer sind!“ ruft der Sprecher noch, dann setzt leichter Regen ein. Am Speyerer Altpörtel, dem Stadttor, glänzen die Ziffern der Turmuhr mattgelb.

Es ist zehn Minuten vor sechs. Die die längste Dirndl- und Lederhosenpolonaise der Welt setzt sich früher als angekündigt in Bewegung. Tausende Trachtenträger
bilden einen farbenfrohen Zug. Es geht von der zentralen Maximilianstraße Richtung Kaiserdom bis zum Festplatz der Stadt. Trotz des trüben Wetters ist den Menschen im rheinland-pfälzischen Speyer, dass früher einmal zu Bayern gehörte, ihr Rekordversuch geglückt: Die Stadt Speyer hat mit 2 697 Teilnehmern nach eigenen
Angaben die längste Dirndl- und Lederhosenpolonaise der Welt auf die Beine gestellt. Damit habe Speyer seinen eigenen Rekord aus dem vergangenen Jahr eingestellt, sagt Stadtsprecher Matthias Nowack.

Damals gab es allerdings eine strenge Kleiderordnung und nur Frauen durften mitmachen. Diesmal ist jeder willkommen. Eine Zählanlage und ein Notar sorgen am Ziel für die ordnungsgemäße Bestätigung der Teilnehmerzahl. In dem Zug überwiegen ältere Trachtenträger, die Stimmung ist gut. Viele Teilnehmer nehmen es mit der traditionellen Tracht nicht ganz so genau: Eine Frau zeigt beispielsweise einen pinkfarbenen Rock,eine blaukarierte Schürze und dazu hochhackige rote Schuhe. Auch Paul und Helga, 63 und 65 Jahre alt, sind „wegen der Gaudi hier“ und „weil wir Speyerer sind“. Eigentlich halten sie nichts von „unechtem Trachtenspektakel“, aber heute wollen sie Spaß haben und „Lokalpatrioten“ sein.

Aus den Boxen an der etwa ein Kilometer langen Strecke wummert Partymusik. Anja und Anne, zwei 35-jährige Freundinnen aus dem benachbarten Waldsee (Rheinland-Pfalz-Kreis) freuen sich: „Endlich können wir mal wieder unsere Dirndl anziehen.“ Die zahlreichen Zuschauer an der Strecke feuern die Teilnehmer an. Eine Reisegruppe, die mit dem Fahrrad von Würzburg nach Speyer getourt ist und gerade
am Dom rastet, guckt etwas verdutzt. Franke Matthias (45) wundert sich, das Spektakel sei „schon etwas komisch“.
Ein großer Computermonitor zeigt laufend die erreichte Teilnehmerzahl. Am Zieltor des Speyerer Brezelfestes schaut es wie bei einem Triathlon aus. Das Spektakel sei monatelang geplant worden,sagt der Stadtsprecher. Das Guinness Buch der Rekorde wurde „wegen des bürokratischen Aufwands“ aber nicht eingeschaltet. Dann künden
zwei Böllerschüsse vom Erfolg des Stadtmarketings und dem nach eigenen Angaben erreichten Weltrekord.

Zu sehen ist der Rekord in der Sendung RNF Life am Montag, 14.7.