Südwest: Große Städte legen sich beim Wohnungsbau ins Zeug

Steigende Mieten und lange Schlangen bei Besichtigungen – klare Anzeichen für einen Mangel an Wohnungen vor allem in Ballungsgebieten. Die großen Städte wollen gegensteuern.


Karlsruhe/Mannheim/Stuttgart (dpa/lsw) – Baulücken schließen, Neubauflächen ausweisen und möglicherweise sogar Hochhäuser bauen: Um den Wohnungsbedarf zu decken, muss Karlsruhe nach Überzeugung von Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) viele Wege gehen. Auch in Stuttgart und Mannheim suchen die Verantwortlichen nach Möglichkeiten, tausende neue Wohnungen zu bauen.

Mit der künftigen Landesregierung erhofft sich Mentrup eine enge Kooperation. Das sei Voraussetzung, um Flächen im Eigentum des Landes entwickeln zu können, sagte der Oberbürgermeister der Deutschen Presse-Agentur. Das Land sollte seine Förderprogramme für den Wohnungsbau erhalten oder noch ausbauen.

Karlsruhe mit aktuell gut 300 000 Einwohnern wird deutliches Wachstum vorhergesagt. Daher sollen bis 2030 mindestens 10 000 Wohnungen gebaut werden. «Wir werden alle Instrumente konsequent einsetzen, die wir in Karlsruhe entwickelt haben», sagte Mentrup. Die Stadt stocke zum Beispiel die Fördersumme des Landes auf, um sich beim Kauf von Wohnungen durch Private Miet- oder Belegungsrechte zu sichern. Eigentümer von unbebauten Grundstücken würden angesprochen, um Entwicklungsmöglichkeiten zu prüfen.

Der Oberbürgermeister kann sich auch Wohnhochhäuser in Karlsruhe vorstellen und verweist auf einen entsprechenden Grundsatzbeschluss des Gemeinderats. «Allein schon der schonende Umgang mit den knappen Flächenressourcen ist dafür ein guter Grund.» Viele Großstädte setzen wieder auf Wohnhochhäuser – zum Teil als einzelne Leuchtturmprojekte, wie etwa der 40-geschossige Henninger Turm in Frankfurt oder der Marco-Polo-Tower in Hamburg mit 17 Stockwerken.

Auch die Karlsruher Professorin für internationalen Städtebau, Barbara Engel, kann sich Wohnhochhäuser an ausgewählten Stellen in der Stadt vorstellen, empfiehlt den Verantwortlichen aber, dazu zunächst ein klares Selbstverständnis zu entwickeln. «Das ist eine Frage, die sich Karlsruhe stellen muss.»

Die Stadt verfolge ein Drei-Säulen-Konzept, sagte Mentrup. Erstens Baulücken schließen, ungenutzte Grundstücke aktivieren und Siedlungsränder arrondieren – auch durch eine behutsame Ausweisung von Neubauflächen. Zweitens sollen Siedlungsflächen nachverdichtet werden, wenn diese das vertragen. Auch Engel sieht hier Möglichkeiten, warnt aber: «Verdichtung darf nicht zu Lasten der Qualität gehen.» Sonst könnte sich der schöne Trend, dass Menschen in die Städte kommen, wieder umkehren. Nach Mentrups Überzeugung müssen parallel Infrastruktur und Grünflächen verbessert werden.

Die Dritte Säule sei der Bau neuer Wohnquartiere, wo sich noch größere Flächen anbieten. Aber: «Diese zu finden, ist in Karlsruhe gar nicht mehr so einfach.» Für die Städtebauexpertin Engel muss die Reihenfolge aber heißen: «Innenentwicklung vor Außenentwicklung».

In Baden-Württembergs drittgrößter Stadt Mannheim wird bis 2030 mit mindestens 10 000 fehlenden Wohnungen gerechnet, wie ein Sprecher mitteilte. Die Kommune setzt wie andere Städte auch auf die Nachverdichtung und profitiert in Zukunft vor allem von freigewordenen Flächen der US-Militärs. So sollen beispielsweise im Benjamin Franklin Village mehr als 3000 Wohnungen entstehen. Ein Schwerpunkt sei preisgünstiges Wohnen. Baubeginn sei ab dem Jahr 2017 geplant. Dort sind aktuell auch noch Flüchtlinge untergebracht.

In Stuttgart ist Bauland besonders knapp, weil die Stadt in einem Kessel liegt. Wegen der Frischluftschneisen dürfen die Hänge nicht weiter zugebaut werden. Die Stadt will dieses und nächstes Jahr insgesamt rund 104 Millionen in die Hand nehmen, um mehr Wohnraum in Stuttgart zu schaffen. Im Fokus stehe dabei die Förderung des sozialen Wohnungsbaus und die Schaffung von Wohnraum für Familien, erklärte ein Sprecher. Das Ziel von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), in der Landeshauptstadt jährlich 300 neue Sozialmietwohnungen zu fördern, wurde im Jahr 2015 fast erreicht.