SV Waldhof: Große Mehrheit für Ausgliederung

Die Außerordentliche Mitgliederversammlung war gerade mal eine gute Stunde alt, als Interimspräsident Klaus-Rüdiger Geschwill am Donnerstagabend im Franziskus-Saal auf dem Waldhof mit stolz geschwellter Brust verkündete: „Jetzt können wir den Aufbruch endlich starten“! Vorangegangen war ein Votum, das die gesetzlich vorgeschriebenen 75 Prozent Zustimmung bei weitem übertraf: 241 der 261 stimmberechtigten Mitglieder segneten die Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine Spielbetriebs-Gesellschaft ab, die im Sommer 2015 von der Mitgliederversammlung im Mannheimer Capitol beschlossen worden war – eine Quote von über 90 Prozent.  Zwölf Waldhöfer waren dagegen, acht enthielten sich der Stimme. Die anschließende Satzungsänderung war ebenfalls reine Formsache: 254 von 257 Waldhof-Mitgliedern stimmten dafür. Geschwill lachend: „Sozialistische Verhältnisse!“

Der Unternehmer, gleichzeitig auch Versammlungsleiter, hatte zu Beginn nochmal die aktuelle Lage des Vereins skizziert: „Die Ausgliederung ist alternativlos“, bat er um Unterstützung. Murren im Saal rief allein der Modus der offenen Wahl hervor: Die sogenannte „Subtraktionsmethode“ – alle, die dem Präsidium und seinem Schulterschluß mit Allein-Investor Bernd Beetz folgen, dürfen sitzenbleiben bei der Abstimmung, wer sich enthält oder dagegen ist, möge seine Zettel für alle sichtbar nach vorne bringen und einwerfen -, rief Kritik hervor. „Knüppelgang!“, monierte ein Waldhöfer am Rednerpult. Für eine geheime Wahl sprachen sich dann aber zu wenige aus – statt er erforderlichen 131 Stimmen kamen nur 77 zusammen. Trotzdem nahm sich das Präsidium die Kritik zu Herzen und verzichtete auf die Stimmabgabe im „Knüppelgang“ – die Urnen wurden am Platz gereicht. Damit war der Weg endgültig frei  für den historischen Schritt nach 109 Jahren Vereinsgeschichte und Investor Bernd Beetz. Der schwerreiche Unternehmer stellt das Stammkapital der Spielbetriebs-GmbH in Höhe von einer Million Euro zur Verfügung. Zudem übernimmt die GmbH Darlehensverbindlichkeiten des Vereins, die sich auf 400 000 Euro belaufen. „Mein Ziel mit dem SV Waldhof ist die zweite Liga“, so der 65-Jährige im Interviewmarathon nach der Versammlung. „Ich bin sehr froh über das Votum“, sagte Beetz im RNF-Interview. Als Investor bekommt er drei Sitze im Aufsichtsrat der GmbH – einer davon ist für seinen Sohn Christian (38) reserviert. Geschäftsführer wird der aktuelle Geschäftsstellenleiter Markus Kompp (33), der im Sommer von Hansa Rostock zum SV Waldhof kam.

Die Frage der Spielbetriebs-GmbH und ihrer Modalitäten hatte im Frühjahr zu heftigem Streit im Verein geführt und viel Porzellan zerschlage. Präsident Steffen Künster läßt sein Amt seit mehreren Monaten ruhen, der Aufsichtsrat trat mehrheitlich zurück und der ihm nahestehende Unterstützerkreis Mannheimer Runde beendete sein Engagegment bei den Blau-Schwarzen – mit Folgen für die aktuelle wirtschaftliche Lage.

Einen Bericht über die Versammlung sehen Sie morgen in RNF Life. (wg)