TSG Hoffenheim: Zwischen fetten Einnahmen und dickem Disziplinproblem (mit Video)

Die TSG 1899 Hoffenheim reibt sich nach dem fest stehenden Transfer von Kerem Demirbay zu Bayer Leverkusen die Hände. Für etwa 28 Millionen Euro Ablöse wechselt der Spielmacher im Sommer zum Bundesliga-Konkurrenten Bayer Leverkusen. „Wenn man damals das Invest und jetzt den Income sieht, dann ist das eine unglaubliche Entwicklung. Da können wir uns alle auf die Schulter klopfen – sowohl Sportdirektion wie auch Trainerteam“, sagte Julian Nagelsmann. Der 31-Jährige hat an diesem Samstag  gegen Werder Bremen sein letztes Heimspiel als Cheftrainer der Kraichgauer. In diesen turbulenten Tagen rückt der bereits im vergangenen Sommer verkündete Abschied Nagelsmanns zu RB Leipzig fast etwas in den Hintergrund. „Aktuell habe ich keine große Gefühlswallung“, sagte er am Donnerstag. „Wenn das Spiel vorbei ist, wird’s vielleicht schon emotional werden.“ Ob’s eine Ehrenrunde im Sinsheimer Stadion gibt, hängt aber auch davon ab, ob seine Mannschaft nach den zuletzt enttäuschenden Ergebnissen (1:4 gegen den VfL Wolfsburg und 2:2 in Mönchengladbach) die Kurve noch bekommt Richtung Europa. Am letzten Spieltag geht es für Hoffenheim noch nach Mainz.

Zuletzt hatte Nagelsmann nach drei erfolgreichen Jahren in Hoffenheim einen unerwarteten Seitenhieb aus eigener Reihe bekommen. Der kroatische Stürmer Andrej Kramaric muss für seine scharfe Kritik – „Wir wechseln zu oft das System während des Spiels (…) Das sind viele Fehler von draußen“ – aber keine Geldstrafe bezahlen, wie Nagelsmann erklärte. Er würde auch nicht das System ändern im Spiel, sondern die Grundordnung – und überhaupt: „Das praktizieren wir erfolgreich seit drei Jahren, ich werde diesen Weg nicht verlassen.“ Er gebe, so Nagelsmann weiter, taktisch und inhaltlich sehr viel vor als Trainer. Die Balance versuche er zu finden, „indem ich außerhalb des Platzes viel Freiraum lasse“.

Unser aktueller TV-Beitrag von heute:

Einer, der bei Nagelsmann zweifelsfrei ebenso wie Kramaric einen großen Karrieresprung gemacht hat, ist Demirbay. Der in Herten geborene Mittelfeldspieler erhält bei Bayer einen Vertrag bis zum 30.Juni 2024. 2016 war er für 1,7 Millionen Euro vom Hamburger SV nach Hoffenheim gekommen und hat sich dort zu einem formidablen Spielmacher entwickelt. Im Fachblatt „Kicker“ ist er derzeit als notenbester Feldspieler der Bundesliga geführt. Sein Vertrag mit der
TSG lief zwar bis 2022, hatte aber eine Ausstiegsklausel. Angaben zur Ablöse machten beide Clubs nicht, aber für Hoffenheim ist Demirbay nach Roberto Firmino (2015 für 41 Millionen Euro zum FC Liverpool) der zweitteuerste Spielerverkauf der Clubgeschichte. „Ohne diese Transfers funktioniert der Laden hier nicht mit Bundesliga-Fußball. Das ist eine Gewinnsteigerung, die sich viele Wirtschaftsunternehmen bei so einer Investition wünschen. Wir haben
das erreicht, deshalb sind wir schon stolz drauf“, sagte Nagelsmann. Demirbay ließ mitteilen, der Wechsel sei für ihn „der nächste Step nach drei wirklich tollen Jahren bei der TSG“. „Mit Kerem Demirbay haben wir einen technisch versierten und strategisch agierenden Mittelfeldspieler für uns gewonnen, der dabei auch noch torgefährlich ist“, kommentierte Bayer-Sportdirektor Simon Rolfes die nicht mehr überraschende Personalie. Natürlich hätte man Demirbay gerne noch länger in Hoffenheim gehabt. „Er kann in den nächsten zwei Spielen noch alles dafür tun, dass wir vor Leverkusen landen“, ergänzte Nagelsmann angesichts des Gerangels um die internationalen Startplätze. In der DFB-Auswahl feierte Demirbay im Juni 2017 sein Debüt und wurde mit dem Nationalteam von Bundestrainer Joachim Löw 2017 Confederations-Cup-Sieger. Für Hoffenheim absolvierte er 71 Bundesligaspiele (12 Tore). (dpa/wg)