Viernheim/Darmstadt: Plädoyers im Prozess um Viernheimer Baby-Leiche – Kleinkind vor zwei Jahren in Tasche gefunden

Im Prozess um eine im Viernheimer Wald gefundene, skelettierte Babyleiche wurden im Darmstädter Landgericht die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft hält die Beschuldigte – die durch DNA-Abgleich ermittelte 32 Jahre alte Mutter – für verantwortlich. Sie soll den am
22. März 2017 auf die Welt gekommenen Jungen zwischen dem 12. und 20. April 2017 zu Tode gebracht haben. Zeugen hatten aus der Zeit davor von einem lebendigen Baby berichtet. Doch der Zeuge, bei dem die Beschuldigte am 20. April kurzzeitig einzog, hatte kein Baby mehr gesehen. „Als am wahrscheinlichsten wurde von der Rechtsmedizin Verhungern, Verdursten oder eine tödliche Krankheit als Todesursache angegeben“, sagte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann. Damit komme auch Totschlag durch Unterlassen in Betracht. Dass die Mutter die Täterin war, schloss er aus streckenweise wirr klingenden Texten, die die Frau auf Facebook und in Chats mit anderen postete. Da psychiatrische Gutachter bei der Beschuldigten eine seit Jahren unbehandelte paranoide Schizophrenie diagnostiziert hatten, plädierte die Staatsanwaltschaft darauf, die 32-Jährige in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik unterzubringen.

Nach Ansicht der Verteidigung ist die Beschuldigte zwar psychisch krank. Sie hält es aber für nicht bewiesen, dass sie den kleinen Jungen tötete. So könnte der Junge am plötzlichen Kindstod gestorben sein oder von dem Mitbewohner der letzten Unterkunft ihrer Mandantin
getötet worden sein, sagte Anwältin Claudia Lorz-Felten. „Wir haben nichts ausreichend Konkretes, um meine Mandantin zu verurteilen“,
sagte sie und sprach sich für Freispruch und eine psychiatrische Betreuung aus. Das Urteil soll am 19. Februar um 11.30 Uhr verkündet werden. (mho/dpa)