Walldorf: Eltern des behinderten Henri machen der Landesregierung Vorwürfe

Die Eltern des elfjährigen Henri, die ihren Sohn trotz seines Down-Syndroms auf ein Gymnasium schicken wollen, erheben Vorwürfe gegen die Landesregierung. «Henri wird nur noch als Problem gesehen, nicht als Bereicherung. Das ist schade und eine vertane Chance», schrieben Kirsten Ehrhardt und Norbert Hirt in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin «Focus». «Dümmer wird durch Henri niemand, nur weiser.» Die Eltern sehen sich und ihren Sohn ausgegrenzt. «In diesen Tagen müssen wir erleben, wie unser Sohn „behindert“ wird. Das macht uns traurig und wütend.» Eine Mehrheit der Deutschen sieht das Thema ähnlich.

Henris Eltern möchten, dass ihr Sohn zusammen mit seinen Freunden auf das örtliche Gymnasium wechselt. Weil er nie das Abitur machen wird, sollte er dort in seinem ganz eigenen Tempo lernen. Die Schule hatte das abgelehnt. Auch die Hoffnungen der Eltern, dass Kultusminister Andreas Stoch (SPD) den Beschluss des Gymnasiums gegen die Aufnahme Henris aufheben könnte, haben sich nicht erfüllt.

Einer Emnid-Umfrage zufolge befürworteten 88 Prozent der Deutschen, dass körperlich behinderte Kinder zusammen mit nicht Behinderten unterrichtet werden. Deutlich niedriger fällt die Zustimmung allerdings bei geistig behinderten Schülern wie Henri aus. Hier sprachen sich nur 48 Prozent der Befragten für einen gemeinsamen Unterricht aus, 47 Prozent lehnten ihn ab. Emnid befragte für den «Focus» am 21./22. Mai 1005 repräsentativ ausgewählte Personen. (lsw)