Walldorf: SAP baut Vorstand weiter um

Kurz vor dem Antritt von Bill McDermott als alleinigem SAP-Chef baut der Softwarekonzern seinen Vorstand noch einmal grundlegend um. Technikchef Vishal Sikka tritt aus privaten Gründen mit sofortiger Wirkung zurück, wie das Unternehmen am Sonntagabend mitgeteilt hatte. Dafür rücken Entwicklungschef Bernd Leukert und Vertriebs-Spezialist Rob Enslin in den Vorstand auf. Beide arbeiten seit den 90er Jahren für den Softwarekonzern. Anleger reagierten enttäuscht auf die Ankündigung. Am Montagvormittag verlor die Aktie mehr als ein Prozent. Analyst Thomas Becker von der Commerzbank zeigte sich überrascht über den Rückzug kurz vor der wichtigen hausinternen Messe Sapphire. Sikka ist einer der Vordenker bei SAP, der vor allem die Entwicklung der superschnellen Datenbank Hana vorangetrieben hat, einem der wichtigsten Projekte der Walldorfer. Der Umbau sei eine Erneuerung mit einer jüngeren Führungsriege, sagte Konzernstratege Alexander Atzberger der Nachrichtenagentur dpa. Im Umfeld des Unternehmens hieß es am Montag, die Gründe für Sikkas Rücktritt spielten „ganz stark ins Privatleben“. Ein Sprecher wollte sich nicht dazu äußern. „Hätte Vishal Sikka den Entschluss vor ein oder zwei Jahren getroffen, hätte das das Unternehmen getroffen“, sagte Atzberger. Inzwischen werde die Expertise von mehreren Managern im Vorstand mitgebracht. Der neue Entwicklungschef Leukert beispielsweise sei ein Mann der ersten Stunde von Hana. Der Wechsel bringt auch weitere Unruhe in das Unternehmen. Sikka ist der vierte Vorstand bei SAP, der binnen eines Jahres seinen Rückzug ankündigt. Im vergangenen Jahr hatten erst Personalchefin Luisa Delgado und der für das Cloud-Geschäft zuständige Lars Dalgaard das Unternehmen verlassen. Dann gab SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe bekannt, dass er nach der Hauptversammlung am 21. Mai 2014 in den Aufsichtsrat wechseln will. Sein Amtskollege Bill McDermott übernimmt dann allein das Ruder bei dem Konzern. Auch Snabe hatte persönliche Gründe angegeben, im Unternehmen mutmaßte man allerdings, dass es Unstimmigkeiten im Vorstand gegeben habe. Aufsichtsrats-Chef Hasso Plattner hatte zuvor einen Teil von Snabes Aufgaben an Technikvorstand Sikka delegiert. Bei Analysten galt Sikka nach der Ankündigung von Snabes Rückzug als möglicher zweiter Mann neben McDermott. Sikka war ein besonderer Schützling von SAP-Gründer und -Aufsichtsratschef Plattner. Dieser betonte in der Mitteilung: „Unsere Freundschaft wird auch in Zukunft bestehen bleiben.“ Klar ist, dass McDermott den Konzern im Sommer mit einem neu aufgestellten Führungsteam leiten wird. Neben dem designierten neuen Finanzvorstand Luka Mucic und den beiden neuen Vorständen Enslin und Leukert, die McDermott mit Vertrieb und Entwicklung zentrale Aufgaben bei dem Softwarekonzern abnehmen, wird auch das Global Managing Board, der erweiterte Führungszirkel von SAP, ausgebaut. Personalchef Stefan Ries, der sich um die Belegschaft bislang ohne Vorstandstitel kümmert, wird nun ebenso wie IT-Chefin Helen Arnold in das Global Managing Board aufrücken. SAP hatte das Gremium geschaffen, um Führungskräfte schneller austauschen zu können. (dpa)