Wildschweine halten Jäger in Atem: Hohe Abschusszahlen

Baden-Württembergs Jäger liefen in der vergangenen Saison zu Höchstform auf: Sie erlegten bis April rund 68
000 Wildschweine. In einigen Landesteilen war das die höchste Strecke, die jemals geschossen wurde – nur 2012 gab es in
Baden-Württemberg höhere Abschusszahlen. In diesem Jahr hoffen die Jäger auf eine Fortsetzung. „Es wird davon abhängen, wie erfolgreich die Drückjagden sind, und ob wir Schnee haben“, sagte Martin Bürner, Geschäftsführer des Landesjagdverbands, der Deutschen Presse-Agentur. Wildschweine sind nach Rehwild die am zweithäufigsten geschossene Art in Baden-Württemberg. Bei den Treibjagden, die im November und Dezember ihren Höhepunkt erreichen, wird ein Großteil der jährlichen Gesamtmenge erlegt. Der helle Schnee erlaubt den Jägern gute Sicht auf das Schwarzwild, das sich immer weiter ausbreitet.
„Grundsätzlich ist es bundesweit und international zu sehen, dass Bestände zunehmen“, sagte der Leiter der Wildforschungsstelle Aulendorf, Janosch Arnold. Die Tiere werden zunehmend zur Plage für Bauern, die Schäden an Feldern beklagen. Immer häufiger zieht es das Schwarzwild auch in Menschennähe, etwa in Vorgärten. In Schwäbisch
Gmünd landeten im Oktober vier Borstentiere in einem Gartenpool. Grund für die zunehmende Verbreitung ist nach Ansicht von Wildforscher Arnold unter anderem der Klimawandel, der mildere Winter und mehr Futter für die Tiere bringt. „Das sind die Rahmenbedingungen, in denen sich die Wildschweine optimal entwickeln“, erklärte Arnold. Die Krux: Je mehr Futter die Tiere finden, desto schneller werden sie geschlechtsreif. Zugleich kommen immer weniger von ihnen an die Lockfutterstellen der Jäger, was die Jagd auf die dämmerungsaktiven Borstentiere erschwert. Bei der Frage, wie dem Problem beizukommen ist, scheiden sich die Geister. Waidmänner hatten seit langem auf eine Aufweichung der allgemeinen Schonzeit im März und April gepocht. Vergangene Woche lockerte der Landtag das Jagdgesetz, um einen Abschuss der Tiere im
Wald auch im März zu erlauben, sofern Schnee gute Sicht erlaubt.
Der Naturschutzbund (Nabu) nannte die Änderung ein reines Zugeständnis an die Jäger. „Überflüssig wie ein Kropf“ sei dies, sagte Nabu-Jagdexperte Johannes Enssle. Statt die Wildruhe der anderen Arten zu stören, sollten seiner Ansicht nach Drückjagden verstärkt oder Nachtsichtgeräte eingesetzt werden. feh/ dpa