Worms: Gottesdienst würdigt Luther – «Widerspruchsgeist kein Wert an sich»

Mit einem Festgottesdienst in der Magnuskirche von Worms hat die Evangelische Kirche am Sonntag den historischen Auftritt von Martin Luther in der Stadt vor 500 Jahren gewürdigt. Der Reformator hatte sich am 18. April 1521 geweigert, seine Schriften vor dem Reichstag in Worms zu widerrufen. Luther sei sich seiner Sache gewiss, aber nicht sicher gewesen, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung in dem vom Fernsehen übertragenen Gottesdienst. «Alle Menschen können irren. Das wusste Luther auch. Deshalb hat er gesagt, dass er widerruft, wenn er widerlegt wird.»

Es sei gut, für seine Überzeugungen einzutreten. «Aber Achtung. Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich. Es gibt Menschen, die standhaft widersprechen und auch sehr viel Unsinn vertreten», sagte Jung. «Zu behaupten, dass es keine Pandemie gibt und zu sagen, dass Corona nicht schlimmer ist als eine Grippe, das ist völlig unangemessen.» Wer sich mit einem solchen Widerspruch auf Luther berufe, habe den Reformator nicht verstanden.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sprach sich für eine Stärkung der Ökumene aus. «Es ist ein starkes Zeichen, dass wir diesen Tag gemeinsam feiern, evangelische und katholische Christen. Es ist ein Zeichen für eine starke ökumenische Geschwisterlichkeit, die gewachsen ist.» Kohlgraf war aus seinem Arbeitszimmer zugeschaltet. Wegen eines Corona-Falls in der Umgebung des Bischofs befinde sich dieser in häuslicher Quarantäne, hieß es. Der Gottesdienst wurde wegen der Pandemie ohne Besucherinnen und Besucher gehalten.

Am Samstagabend hatte eine Licht- und Musik-Inszenierung in Worms an den Besuch Luthers in der Stadt 1521 erinnert. Er hatte in 95 Thesen den Ablasshandel der katholischen Kirche verurteilt, sich von Sünden freikaufen zu können. Der Mönch lehnte es dann ab, davon abzurücken. Dabei werden ihm die Sätze «Hier stehe ich. Ich kann nicht anders» zugeschrieben. Reformation und Kirchenspaltung nahmen ihren Lauf.